Lesung : Lockruf des Wassers

Matthias Oloew liest über das Strandbad Wannsee.

Berlin „Man nenne mir einen Badeort, der schöner und lustiger wäre!“ Der Reporter der „Welt am Montag“, der das Strandbad Wannsee kurz nach der Eröffnung 1907 besuchte, war begeistert. Ein buntes Treiben konnte er beobachten: junge Männer, die sich Ringkämpfe lieferten, planschende Familien, Zigarren rauchende russische Exilanten, sogar „Gesangsvereine, die in stolzer Badehosenpose ein Chorlied anstimmen“. So vornehm wie in den eleganten Seebädern an der Ostsee war man hier nicht. Aber dafür hatten die Berliner – die vorher von Amts wegen nicht in Seen baden durften – verdammt viel Spaß. 100 Jahre ist das Strandbad Wannsee mittlerweile alt – und nicht weniger beliebt. Tagesspiegel-Redakteur Matthias Oloew hat anlässlich des Jubiläums ein Buch geschrieben, in dem er die Geschichte des Strandbads nachzeichnet – mit vielen historischen Fotos und Anekdoten (Nicolai Verlag, 19,90 Euro). Darin erzählt er auch von den jüdischen Besuchern, die ab 1935 nicht mehr erwünscht waren, vom Selbstmord des langjährigen Strandbadleiters Hermann Clajus aus Angst vor anrückenden SA-Truppen, von verirrten Kugeln der Amerikaner, die während des Kalten Krieges harmlose Strandbad-Besucher trafen, bis hin zu den Auseinandersetzungen um die Sanierung des Bades.

Im Salon liest Matthias Oloew aus seinem Buch und plaudert mit Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt – natürlich im Strandbad selbst, auf einer der jahrzehntelang geschlossenen Dachterrassen, mit Blick auf den Sonnenuntergang. Dazu gibt es ein Berliner Buffet nach Strandbad-Manier. Die Chansonnette Jeannette Urzendowsky, begleitet von Angela Stoll am Piano, singt bekannte und unbekannte, von Matthias Oloew neu ausgegrabene Wannsee-Schlager. Wer vorher ins Wasser springen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. D.N.

„Zeitung im Salon“ mit Matthias Oloew, Donnerstag, 28. Juni, 19.30 Uhr, im Strandbad Wannsee. Eintritt 14 Euro (inklusive Essen und Eintritt ins Strandbad ab 17 Uhr). Anmeldung ist erforderlich unter Tel. (030) 26009 609, am Dienstag von 7.30 Uhr bis 20 Uhr. Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Gehen mehr Anmeldungen ein, entscheidet das Los.

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