Berlin : Letzte Hoffnung für die Chancenlosen

Berlin will die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher im Don-Bosco-Heim nicht mehr bezahlen

Sonja Praxl

Pater Tiemann ist nicht glücklich. Seit 50 Jahren setzt sich seine Glaubensgemeinschaft, der katholische Salesianer Don Bosco Orden, in Berlin für vernachlässigte Kinder und Jugendliche ein. Jetzt müssen die hauseigenen Ausbildungsstätten geschlossen werden, 26 Auszubildende und rund 30 Angestellte werden gehen. Berlin muss sparen. „Das tut schon weh“, gesteht er.

Am Rande des Berliner Villenvorortes Wannsee befindet sich die Einrichtung der Salesianer. Das Don-Bosco-Heim ist benannt nach dem Stifter des Ordens, der sich 1846 der Aufgabe verschrieben hatte, jungen Menschen zu vermitteln, was er für das Wichtigste im Leben hielt: eine Perspektive. Hier, in beschaulicher Umgebung, bilden die Salesianer so genannte benachteiligte Jugendliche in eigenen Werkstätten unter anderem zu Malern, Gärtnern oder Tierpflegern aus. 50 Lehrstellen stehen zur Verfügung. Davon sind jedoch nur 26 besetzt, denn das Jugendamt, das die Ausbildungen finanziert, schickt keine Jugendlichen mehr.

Das war nicht immer so. In Berlin ist das Don-Bosco-Heim eine von 39 Einrichtungen, die rund 1500 Ausbildungsstellen für Jugendliche zur Verfügung stellen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance hätten. „Bis zum vergangenen Jahr waren immer fast alle 1500 Plätze vergeben“, sagt Lothar Werner-Pampuch vom Berliner Verband für Arbeit und Ausbildung. „In diesem Jahr sind es nur noch rund 500, und es gibt keine Aussicht, dass sich das ändert.“ Er rechnet in diesem Jahr noch mit weiteren Schließungen.

Der Grund dafür ist simpel: Es fehlt Geld. Christin ist im dritten Ausbildungsjahr als Floristin. Sie ist wütend und traurig. „Don Bosco hat sich um die Kinder gekümmert, und uns lässt man jetzt einfach fallen.“ Zwar werden die Auszubildenden weiter vermittelt – voraussichtlich werden alle gemeinsam vom evangelischen Johannesstift übernommen – aber das ist für sie nur ein schwacher Trost. Die meisten von ihnen stammen aus zerrütteten Familien oder waren auf die schiefe Bahn geraten. „Viele dieser Kinder hatten in ihrem Leben nur Misserfolge. Sie haben kein Selbstvertrauen“, erklärt Pater Tiemann. Manch einer kennt kaum ein halbwegs geordnetes Leben. „Manchen müssen wir erst einmal vermitteln, dass sie morgens pünktlich aufstehen. Wir sind schon froh, wenn sie erst einmal in der Werkstatt sind“, lächelt Tiemann. Unter solchen Umständen erfordert die Ausbildung mehr Zuwendung, als in regulären Betrieben möglich wäre.

Aber der Erfolg gibt der Mühe recht. Rund die Hälfte der Schützlinge schließt ihre Ausbildung erfolgreich ab. Sogar einen Bundessieger in der Maler- und Lackiererausbildung hat das Heim hervorgebracht.

Diese Erfolge sieht auch Marion Berning. Die schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion Steglitz-Zehlendorf ist selbst Schulleiterin und hat mit dem Don-Bosco-Heim sehr gute Erfahrungen gemacht. „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Kosten für die Jugendstrafanstalten wesentlich höher sind, als für betreute Ausbildungsplätze.“ Sie will sich jetzt in der Bezirksverordnetenversammlung für das Don-Bosco-Heim stark machen. Am Mittwoch wird das Thema Tagesordnungspunkt bei der Bezirksverordnetenversammlung sein. Ein Hoffnungsschimmer für Pater Tiemann.

Andernfalls werden sich die Salesianer in Zukunft auf andere Aufgaben konzentrieren müssen. Immerhin wird es das Don-Bosco-Heim auch ohne die Ausbildungsstätten weiterhin geben. Es bleiben betreute Wohngemeinschaften, Reittherapie, Musikpädagogik und berufsvorbereitende Lehrgänge.

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