Berlin : Letzte Runde

Mariendorfer Trab-Rennbahn wird heute verkauft

Heiko Lingk

Heute Abend werden den Mitgliedern des Berliner Trabrennvereins die Verträge über den Verkauf des Bahngeländes zur Abstimmung vorgelegt. Vier Millionen Euro bietet Ulrich Mommert, der in seiner Eigenschaft als Vereinsvorsitzender zugleich der Anbieter und der potenzielle Käufer des knapp 19 Hektar großen Geländes ist, als Kaufpreis. Geht es nach seinem Willen, dann wird der Rennverein für eine jährliche Pacht von 200 000 Euro nur noch Mieter auf der ehemals eigenen Bahn in Mariendorf. Dieser Pachtvertrag soll bis Ende 2015 laufen. Nach eigener Aussage möchte Ulrich Mommert damit langfristig den Rennbetrieb gewährleisten.

Doch wie dieses Modell finanzierbar ist, das lässt der 63-jährige Unternehmer aus der Autozuliefererbranche komplett offen. Aktuell drücken den Rennverein bereits wieder Verbindlichkeiten in Höhe von einer Million Euro, die sofort vom Verkaufspreis abgezogen würden. Zudem sollen die Mariendorfer laut Pachtvertrag sämtliche Betriebs- und Nebenkosten für die Tribünenanlagen und die Pflege der Sandpiste tragen. Derzeit ergibt sich daraus ein Minus rund 800 000 Euro pro Saison. Zusammen mit der jeweils im Februar fälligen Pacht würde das Geld aus dem Verkauf der Rennbahn gerade einmal für die kommenden drei Jahre reichen. Und dies auch nur, wenn sich die Wett-Umsätze stabilisieren. Doch das Gegenteil ist der Fall – die Wettleidenschaft geht weiter zurück.

Anfang Dezember hatten die Vereinsmitglieder trotzdem mit denkbar knapper Mehrheit ihre grundsätzliche Bereitschaft zum Verkauf der Bahn signalisiert. Wenn sie heute Abend bei ihrem Votum bleiben, ist der Verkauf definitiv. Dass sich die Mehrheitsverhältnisse ändern, ist nicht zu erwarten: Die härtesten Kritiker des eingeschlagenen Kurses – wie etwa Ulrich Mommerts Amtsvorgänger Klaus-Volker Stolle – sind mittlerweile aus dem Verein ausgetreten. Es gibt zwar weiterhin Opposition. So sagt Heinz Tell, der ehemalige Vorsitzende des deutschen Traber-Hauptverbandes: „Mit dem Gelände geben die Mariendorfer ihre Zukunft für einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes aus der Hand.“ Doch der Rennverein steht mit dem Rücken zur Wand. Wenn die Mitglieder die Unterschrift verweigern, müsste innerhalb weniger Tage sofort ein besseres Angebot gefunden werden.

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