Letzte Sitzung : Rot-schwarzer Senat: "Also, faul waren sie nicht"

Zwei Themen noch und dann war Schluss: Die letzte Sitzung des rot-schwarzen Senats verlief kurz und nüchtern.

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Der regierende Bürgermeister Berlins Michael Müller und die Senatoren.
Der regierende Bürgermeister Berlins Michael Müller und die Senatoren.Foto: DAVIDS/Michele Tantussi

Zehn Minuten waren genug – dann hatte sich die schmale Tagesordnung erledigt. Der rot-schwarze Senat, bis auf Thomas Heilmann vollständig angetreten im Roten Rathaus, musste noch schnell die Haltung besonders gefährlicher Tiere verbieten und die Sonderregelung zur Überschreitung von Mietzuschüssen verlängern, bevor Michael Müller ein letztes Mal das Wort ergriff: Er dankte den Senatoren für ihr Engagement und lobte die gute Zusammenarbeit.

Auch für Bernhard Schodrowski, den stellvertretenden und seit der Wahl auch amtierenden Senatssprecher, ist nun Schluss. Der CDU-Mann, der mit Frank Henkel ins Amt gekommen war, hatte die Presse routinemäßig über diese abschließende Sitzung zu informieren. Ein historischer Moment? „So weit würde ich jetzt nicht gehen“, sagt er, „aber eine Zäsur, doch, doch.“

Weder Schnittchen noch Getränke

Er hatte auch noch eine kleine statistische Auswertung der rot-schwarzen Senatsjahre mitgebracht: 228 Mal hat das Gremium getagt, davon 90 Mal unter Michael Müller. Dabei wurden gut 3500 Themen behandelt. Schodrowski, unerschütterlich loyal wie immer, meinte, das könne sich zahlenmäßig durchaus sehen lassen. „Also“, sagte er, „faul waren sie nicht.“

Auch am letzten Sitzungstag, dem Nikolaustag, wurde die nüchterne Arbeitsatmosphäre nicht geändert: Es gab wie immer weder Schnittchen noch Getränke, nichts zu knabbern und auch keine vorweihnachtliche Dekoration. Allerdings hätte sich das für nur zehn Minuten auch nicht gelohnt. Es habe auch schon mal fünfminütige Sitzungen gegeben, sagte Schodrowski, aber auch zweistündige, naturgemäß zur Bewältigung großer Probleme wie der Flüchtlingslage.

Rot-Rot-Grün startet am Donnerstag

Der Vizesenatssprecher war zu Beginn seiner Karriere mal Polizist, hat den Beamtenstatus aber abgelegt und sich schon nach der Wahl vorsorglich als bald arbeitslos gemeldet. Wenn er seinen Schreibtisch am Donnerstag räumt, geht er aber nicht mit vollständig leeren Händen nach Hause: Thomas Klein, der Vorsitzende der Berliner Pressekonferenz, überreichte ihm eine Flasche noblen Bordeaux und lobte seine freundliche, sachliche Art, hinter der echter Respekt vor der Arbeit der Presse zu spüren gewesen sei. Schodrowski antwortete, er habe sich immer als Dienstleister verstanden und nicht als politischer Interessenvertreter.

Am Donnerstag beginnt die Arbeit für Rot-Rot-Grün („R2G“). Michael Müller soll im Abgeordnetenhaus wieder zum Regierenden Bürgermeister gewählt werden. Anschließend werden die Senatoren ernannt und vereidigt.

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