Berlin : Letzte Worte

Sylvia von Kekulé hält heute den Trauergottesdienst für Günter Pfitzmann in der Gedächtniskirche

Heidemarie Mazuhn

Heute nimmt Berlin Abschied von „Pfitze“. Um 12 Uhr beginnt in der Gedächtniskirche der Trauergottesdienst für den am 30. Mai mit 79 Jahren verstorbenen Schauspieler Günter Pfitzmann. Den Gottesdienst für den als „letztes Berliner Original“ betrauerten Künstler hält die Pfarrerin der Gedächtniskirche, Sylvia von Kekulé. Seit 1995 predigt sie am Breitscheidplatz – und hat seither dort schon berühmte Berliner wie Hildegard Knef, Wolfgang Gruner und jüngst erst Horst Buchholz auf ihrem letzten Weg begleitet.

Ihre Predigt für „Pfitze“ hatte die 49-Jährige gestern schon längst fertig. Nein, einen Unterschied zwischen einem berühmten und einem „Normalsterblichen“ gebe es in der Vorbereitung eines Trauergottesdienstes nicht, sagt die Pfarrerin. Es gehe immer ganz um die Familie, sie vor allem soll der Gottesdienst erreichen. Der Unterschied sei nur die öffentliche Wahrnehmung.

Günter Pfitzmann habe sie zwar persönlich, aber doch nur oberflächlich gekannt. In der Vorbereitung für den heutigen Trauergottesdienst führte Sylvia von Kekulé ein langes ausführliches Gespräch mit der Familie des Verstorbenen. Dazu gehören seine bis zuletzt über alles geliebte Ehefrau Lilo und die Söhne, der 38-jährige Herzchirurg Robert und der 36-jährige Fernsehproduzent Andreas, auf die der Vater Zeit seines Lebens stolz war, auch wenn er sich so sehr eine Tochter gewünscht hatte. „So ein Familiengespräch ist sehr wichtig“, sagte die Pfarrerin, „es dient dazu, den Blick zu weiten.“ Man erfahre mehr das Leben des Verstorbenen, mehr über den Menschen, der hinter den – in diesem Fall berühmten – Namen steht.

Berühmtheit hat die Pfarrerin selbst schon erlangt. Weniger durch ihre Trauergottesdienste für prominente Berliner, sondern durch die höchst lebendige Claudia Schiffer, die 1999 wochenlang von einem Riesenposter am Glockenturm der Gedächtniskirche lächelte – von den Werbeplakaterlösen ließ die Kirchgemeinde den Glockenturm sanieren. Das brachte von Kekulé viel Kritik, aber auch einen Preis der Stiftung Denkmalschutz Berlin für ihren Mut zur „ungewöhnlichen Geldbeschaffung“ ein. „Gottes Liebe“ will die in Schöneberg aufgewachsene „Neuköllnerin in der vierten Generation“ am Breitscheidplatz nahe bringen – und protestierte öffentlich, als dort geplante Hochhäuser „ihre“ Kirche in den Schatten zu stellen drohten.

Der Trauergottesdienst für Günter Pfitzmann wird am heutigen Freitag ab 12 Uhr im RBB-Berlin live übertragen.

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