Berlin : Letzter Vorhang für den Royal-Palast

Kino im Europa-Center ist ab Donnerstag geschlossen Suche nach einem neuen Betreiber blieb erfolglos

Constance Frey

Der rote Teppich lag oft im Royal-Palast für Premieren aus. Auch noch in diesem Jahr zeigte das Kino im Europa-Center Berlinalefilme. Doch die Konkurrenz der Multiplexkinos wurde zu groß. Jetzt schließt das Traditionshaus in der Tauentzienstraße 9. Am heutigen Mittwoch werden um 23 Uhr in den fünf Sälen zum letzten Mal die Projektoren für die Spätvorstellung angeworfen. Die 13 Mitarbeiter von Geschäftsführer Andreas Steiner brauchen am Donnerstag nicht mehr zum Dienst zu erscheinen, er bleibt noch einige Tage, um letzte Geschäfte zu erledigen. Dann meldet er das Telefon ab und ist ebenfalls arbeitslos. Dennoch will er die Hoffnung nicht aufgeben. „Es gibt definitiv einen Interessenten, mit dem derzeit die Verhandlungen laufen.“

Dezember 2002 war die Ufa-Kinokette, zu dem das Haus gehörte, in die Insolvenz gegangen. Der Royal-Palast wurde aus dem Unternehmen ausgegliedert. Seitdem versuchten Insolvenzverwalter und Geschäftsführer, Kunden mit Niedrigpreisen – eine Karte kostet 4,99 Euro – zu locken und Investoren für das Haus zu finden. April 2003 kündigte Insolvenzverwalter Jens-Soeren Schröder dann den Mietvertrag des Royal-Palastes beim Europa-Center.

Bis zuletzt hatte Geschäftsführer Andreas Steiner versucht, den Insolvenzverwalter zum Weitermachen zu überreden. „In den nächsten zwei Monaten kommen starke Filme auf den Markt, auf die die ganze Branche gewartet hat. Da geht uns viel Geld verloren.“ Das sieht der Insolvenzverwalter anders. „Wir befinden uns in einer ganz schwierigen Branchenlage. Und sobald das Wetter schöner wird, kommt weniger Publikum in die Kinos.“ Mit der Aachener Kinogruppe Kinostar, dem einzigen Interessenten aus der Branche, hatte er lange verhandelt. „Vermieter und Kino-Star sind sich nicht einig geworden“, sagt Schröder. Die Aachener Kinokette wollte sich dazu nicht äußern.

Jetzt verhandelt das Management des Europa-Centers weiter mit einem potentiellen Nachmieter. „Wir haben die großen Kinoketten angesprochen, aber die haben alle einen Rückzieher gemacht“, sagt der Europa-Center-Manager Uwe Timm. Es gäbe aber Anfragen aus dem Textilhandel und dem Unterhaltungsbranche. Bei einem Erfolg versprechenden Konzept sei das Haus dazu bereit, in Umbauarbeiten zu investieren. Darüber gäbe es bereits Verhandlungen zwischen Architekten und Interessenten. Einen Zeitplan für eine Neueröffnung kann Uwe Timm aber nicht nennen.

Der Royal-Palast eröffnete 1965 mit zwei Sälen, später entstanden drei weitere Kinosäle. Die 380 Quadratmeter große Leinwand von Kino 1 gilt auch heute noch neben dem Imax am Potsdamer Platz als die größte Leinwand Europas. Kassenschlager „Doktor Schiwago“ lief hier ab 1966 ganze 166 Wochen lang und lockte über zwei Millionen Zuschauer an. „Star Wars“ blieb elf Jahre später 36 Wochen lang im Programm. Seit Mitte der Neunziger Jahre verschwinden die Kinos aus der City West. Zuerst traf es das Gloria, das Kuli, die Lupe und das Olympia am Zoo. April 2000 schloss die Filmbühne Wien, Dezember 2002 das Astor. Im letzten Jahr kam das Aus für das Hollywood und die Filmbühne am Steinplatz.

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