Berlin : Leuchten im Mausoleum

Mosaik aus Glassteinen auf Kreuzberger Friedhof wurde von der Denkmalstiftung gerettet

Helmut Caspar

So stellte es der Friedhofsverwalter Dirk Voigtländer dar: „Durch das undichte Dach drang Wasser ein, die Wand beulte sich aus, zahlreiche Glassteine brachen heraus. Die Grabkapelle, in der schon seit Jahrzehnten niemand mehr bestattet wurde, bot ein ziemlich trauriges Bild.“ Die Rede ist vom Mausoleum auf dem Friedhof IV der Jerusalemer und Neuen Kirchgemeinde an der Bergmannstraße, zu dem ein meisterliches Mosaik aus tausenden farbigen Glassteinchen gehört, das die christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung zeigt.

Seit dieser tristen Bestandsaufnahme wurden 40 000 Euro in das Mausoleum der Kreuzberger Familie Rohmer investiert. Hunderte herabgefallene Glassteinchen haben Restauratoren aufgesammelt und wieder in das Mosaik integriert, und nun leuchtet das bunte Bild wieder wie vor mehr als hundert Jahren.

Bezahlt wurde der rettende Einsatz von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Landesdenkmalamt, der Stiftung Historische Friedhöfe in Berlin-Brandenburg sowie der Müller-Klein-Rogge-Stiftung, wie Peter Schabe sagt, der die Berliner Projekte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz betreut. Künftig plane man weitere Hilfsmaßnahmen dieser Art auch auf anderen Anlagen. Denn wie das Beispiel aus Kreuzberg zeige, lohne sich der Aufwand. „Ohne Zweifel“, so Schabe, „gehört das Mausoleum Rohmer zu den bedeutendsten Grabarchitekturen des Historismus in Berlin.“

Die Entwürfe für die Grabstätte, die der Berliner Ratsmaurermeister Arthur Rohmer (1830–1898) für sich und seine Familie errichten ließ, stammen von dem Maler Paul Mohn, einem Schüler des Dresdner Biedermeiermalers Ludwig Richter. Das Mosaik wurde zusammengesetzt von der seinerzeit sehr renommierten Firma Puhl & Wagner. Die im damaligen Rixdorf, einem Ortsteil des heutigen Neukölln, tätige Werkstatt zeichnete unter anderem auch für die Mosaike in der Kuppel des Berliner Doms verantwortlich. Dieses Mosaik, das sich gegenüber dem Eingang befindet, unterscheidet die Grabstätte der Familie Rohmer, die damals an der Blücherstraße ansässig war, von anderen Mausoleen aus der Kaiserzeit. Auf einem vergoldeten Schriftband wird unter den glasbunten Figuren über die Wertigkeit von Glaube, Hoffnung und Liebe verkündet: „Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“

Den Verfall hatte das bisher nicht aufgehalten, in den vergangenen Jahren drang Regenwasser in das Gemäuer ein, und erst der Einsatz der Denkmalstiftung linderte die Probleme. Viele wertvolle Grabmonumente auf den Berliner Friedhöfen haben ebenfalls Hilfe nötig. Da die finanziellen Mittel begrenzt sind und viele Pflegefälle auf Hilfe warten, appellieren Denkmalpfleger an die Öffentlichkeit, Patenschaften zu übernehmen und weiter zu spenden. Das könne man durchaus mit einer konkreten Absicht verbinden, sagt Friedhofsverwalter Voigtländer. Es sei durchaus möglich, dass jemand eines der verfallenden Mausoleen übernimmt, sofern keine Angehörigen mehr da sind, es restauriert und sich hier irgendwann mit seinen Angehörigen bestatten lässt.

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