Berlin : Leuchtenbauer Udo Bansbach

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So viele verschiedene Leuchten umstrahlen einen selten. Im lichten, gestylten Schauraum seiner Berliner Fabrik Semperlux sitzt mir am Konferenztisch einer der beiden BansbachBrüder gegenüber: Udo, schwarzes offenes Hemd, eine zunehmend hohe Stirn, lebendige Augen, einer der unverkennbar „berlinert“, uneitel und gewinnend direkt. 30 Jahre ist er jetzt schon im Geschäft. Damals hat ihn sein älterer Bruder Armin gebeten mitzumachen. Der Vater war 1973 unerwartet früh gestorben. Zusammen haben die Brüder die international bekannte Leuchtenfirma erfolgreich zum Strahlen gebracht.

Begonnen hatte Vater Hermann im eigenen Keller in der düsteren Nachkriegszeit 1948 mit einem selbst gebastelten Batterieladegerät, das „immer leuchtet“: semper lux. Heute machen sie 56 Millionen Euro Umsatz mit ihren teils historischen, teils modernen Designerleuchten. Der Umsatz steigt gegen den Trend der Branche erfreulich kräftig. Allein in Berlin hat das kleine Imperium zigtausende von strahlenden „Außenstellen“, darunter historische Kandelaber am Pariser Platz und am Kurfürstendamm. 240000 Straßenleuchten gibt es in der Stadt.

In der gediegenen Sammlung historischer Leuchten draußen in Lichterfelde zeigt der begeisterte Unternehmer stolz wunderschöne alte Bogenlampen aus der Entstehungszeit der öffentlichen Straßenbeleuchtung. Selux-Leuchten, wie die Marke heute heißt, weil die Telexadresse nur sechs Buchstaben erlaubte, erhellen die Nächte in vielen Ländern der Erde, von New York bis Singapur. Gefertigt aber wird – mit Ausnahme einer Tochter in Lyon – mit 270 Mitarbeitern bisher in Berlin, Zachow bei Ketzin, Erkrath und in der Nähe von Halle. Für die neuen Bundesländer sprechen nicht nur die niedrigeren Lohnkosten, sondern der „ganz andere Einsatz der Mitarbeiter“. Gut 60 Prozent der Produktion gehen in den Export.

Die Zukunft, das weiß Bansbach, „gehört dem intelligenten Licht“, das sich nicht nur der Helligkeit draußen, sondern in der Farbe und der Intensität der Ausleuchtung von Innen- und Außenräumen den individuellen Wünschen der Nutzer anpasst. Die Beleuchtung in Museen ist da ein interessanter Vorreiter, so wie die Lichtschienen es gewesen sind. Da wird viel Innovation stattfinden müssen. Lichtsysteme sind höchst anspruchsvolle Produkte.

Mindestens noch fünf Jahre will der früher etwas unstete Betriebswirt und später erfolgreiche Diplom-Informatiker (TU) aktiv dabeibleiben. Der Job war dem „Schlüsselkind“ – die Eltern waren immer im Unternehmen –, dem Hobby-Schmalfilmer, der kleinere Krimis gedreht und sich auch mal als Sänger beim Musical „Hair“ beworben hatte, nicht vorbestimmt. Aber heute brennt er für die Leuchten. Das lässt ihm wenig Zeit für sein wichtigstes Hobby, seine neun Meter lange Motorjacht draußen am Wannsee. Aber wenn seine beiden großen Söhne „nett fragen“, dann dürfen sie beim „Seeluchs“ auch mal ans Ruder.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Udo Bansbach wurde 1946 in Berlin geboren. Der Diplom-Informatiker ist Vorstand der Semperlux Aktiengesellschaft Licht-

technische Werke

Berlin und passionierter Roadsterfahrer

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