Berlin : Leuchtender Magnet in der Finsternis

Der erste Stern, der erste Anziehungspunkt im Weltall, war der Keim für die erste Galaxie. In deren Zentrum saß ein gefräßiges Schwarzes Loch

Thomas de Padova

Der Stern von Bethlehem, heißt es, wies den Heiligen Drei Königen den Weg. „Auch der allererste Stern im Universum war wie ein Leuchtturm“, sagt der Astrophysiker Günther Hasinger. Ein Leuchtturm, der der übrigen Materie in der Umgebung den Weg wies und rief: „Hierher müsst ihr alle kommen!“ Er war der erste sichtbare Anziehungspunkt im Weltall.

Das Leuchtfeuer, von dem hier die Rede ist, hat gegen Ende der dritten Januarwoche unseres kosmischen Kalenderjahres – also mehrere hundert Millionen Jahre nach dem Urknall – hell zu strahlen begonnen. Das Universum war zu diesem Zeitpunkt noch jung und finster, und plötzlich stand der erste Stern da, mitten auf einer unsichtbaren Insel aus „Dunkler Materie“. Die Natur dieser weit verbreiteten Dunklen Materie kennt man bis heute nicht. Man weiß nur, dass ihre Schwerkraft die Struktur des Alls von Beginn an prägte. Sie war es, die sich im jungen Kosmos zuerst zusammenballte.

Die Materie-Insel wächst schnell. Von überall her zog sie Materie an: Viel Dunkle Materie wurde an ihr Ufer geschwemmt, aber auch die uns bekannte, sichtbare Materie – jenes Gasgemisch aus Wasserstoff und Helium, das beim Urknall entstand.

Es dauerte eine Weile, bis auf diese Weise aus der kleinen Insel eine große Galaxie wurde, ein Gebilde, das ähnlich aussah wie die Sombrero-Galaxie (siehe große Abbildung). In der Sombrero-Galaxie leuchten heute Milliarden Sterne. Auf der ersten Welteninsel war es zunächst ein einziger Stern. Allerdings ein gewaltiger. Er strahlte so kräftig, dass er die Umgebung aufheizte und sterilisierte.

Für einen zweiten Leuchtturm war auf der Insel zunächst kein Raum. Doch der erste Stern lebte nicht lange. War seine innere Hitze zunächst groß genug, einströmendes Gas nach außen zu drücken, gewann im Spiel der Kräfte schließlich die Schwerkraft die Oberhand. Die Materie im Zentrum des Sterns kollabierte. Sie bildete ein Schwarzes Loch, während die äußere Hülle des Sterns bei einer gigantischen Explosion ins All geschleudert wurde. Statt eines Leuchtturms hatte die Insel nun ein Schwarzes Loch in ihrer Mitte, ein Objekt, das so ungeheuer dicht war, dass ihm nicht einmal mehr ein Lichtstrahl entweichen konnte. „Die Materie strömte weiter dorthin, wo die Badewanne am tiefsten ist. Und dort, in der Mitte der Badewanne, sitzt nun ein Schwarzes Loch“, sagt Astrophysiker Hasinger.

Das Schwarze Loch sog auf, was es kriegen konnte. Und um dieses seltsame Etwas herum wuchs die erste Galaxie. Alle bekannten Galaxien, auch unsere Milchstraße, haben ein Schwarzes Loch im Herzen. Und nicht nur dort. Die gefräßigen Löcher sitzen auch in den Armen und Randbereichen der Galaxien. Schaden richten sie aber nicht an. Sie behindern nicht einmal die Geburt neuer Sterne. Wie aus der soeben entstandenen Galaxie eine Welteninsel mit ganz vielen Leuchttürmen, nämlich Milliarden Sternen wird, das können Sie in der morgigen Ausgabe lesen.

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