Berlin : Leuchttafel gegen Raser

In einer Kreuzberger Spielstraße informiert ein Radargerät die Autofahrer über ihre Geschwindigkeit. Jetzt fahren sie langsamer

Christoph Villinger

Leicht erschrocken drücken die Autofahrer auf die Bremse. „Sie fahren 27 Kilometer pro Stunde“ signalisiert ihnen ein Schriftzug auf einer Leuchttafel in zwei Meter Höhe. In der Kreuzberger Cuvrystraße stellte gestern der Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) ein mobiles Radargerät vor, das den Autofahrern ihre aktuelle Geschwindigkeit anzeigt. Erlaubt ist in der so genannten Spielstraße nur eine Schrittgeschwindigkeit von etwa 7 km/h. Sichtlich erfreut konnten Schulz sowie etliche Anwohner sofort den erzieherischen Effekt beobachten.

Nahezu alle Autos erfasste der Radarstrahl in etwa 150 Metern Entfernung mit viel zu hoher Geschwindigkeit, nach der Entdeckung der Leuchtschrift bremsten die Fahrer sofort ab und fuhren ganz langsam an dem Gerät vorbei. Das 1500 Euro teure und von einer in Kreuzberg beheimateten Firma gespendete Gerät erfasst nicht nur die jeweilige Geschwindigkeit, sondern zählt auch die Autos. „Damit sammeln wir objektive Daten für die Straßenverkehrsbehörde“, sagt Schulz, „um die beantragte Einbahnstraßenregelung in der Wiener Straße und die Diagonalpoller in der Wrangelstraße genehmigt zu bekommen.“ Laut Schulz wiegele diese Behörde bei Bürgerbeschwerden immer wieder ab und stellt Zählungen von Anwohnern in Frage.

Seit Monaten empören sich viele Anwohner der Cuvrystraße gegen die von Schulz veranlasste Sperrung des ebenfalls verkehrsberuhigten Görlitzer Ufers, weil nun ihre Straße vom Durchgangsverkehr als Schleichweg zwischen Neukölln und Treptow benutzt wird. Bis zu 480 Autos pro Stunde haben sie gezählt. Sie fordern, wie Anne Fina, „eine Lösung, die den Durchgangsverkehr aus dem gesamten Gebiet des Wrangelkiezes fernhält“.

Bisher gibt es in Berlin nur ein weiteres, festinstalliertes Gerät im Tempo-30-Bereich in der Zufahrt zum Flughafen Tegel. Dagegen lässt sich das nun in der Cuvrystraße vorgestellte Gerät leicht umsetzen, „und so kann es später auch an anderen Konfliktpunkten eingesetzt werden“, sagt Schulz. „Zum Beispiel in der Tempo-30-Zone in der Zossener Straße“. Vorerst soll es für mehrere Wochen im Wrangelkiez stehen bleiben. Für den Berliner ADAC „begrüßt“ Sprecherin Monika Schüler solche Informationssysteme, „besonders wegen ihres erzieherischen Wertes“. Dagegen hat die Berliner Polizei keine derartigen Geräte im Einsatz, wie Sprecherin Christine Rother mitteilt. „Sie sind nicht geeicht und daher nicht gerichtsverwertbar“. Außerdem wüssten die Autofahrer bald, wo diese Geräte stehen. „Die Polizei ist weiterhin mit ihren Lasergeräten im Einsatz.“

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