Berlin : Leuchttürme in Bellevue

Der Bundespräsident lud zum Gartenfest in den renovierten Amtssitz ein Dank an 3000 sozial engagierte Bürger und Firmen

Elisabeth Binder

Thomas Quasthoff, der weltberühmte Bassbariton, singt souverän gegen das anschwellende Donnergrollen an – und der Bundespräsident selbst hält ihm dafür die Notenblätter. Horst Köhler war am Donnerstag erstmals Gastgeber für das traditionelle Gartenfest in Bellevue, das im vorigen Jahr wegen der Renovierungsarbeiten ausgefallen war

Als wolle er ein besonderes Zeichen setzen, hat Köhler bunte Stelltafeln verbannt und den Garten elegant mit wild-romantisch dekorierten Tischen und Bänken sowie mit Leuchttürmen dekorieren lassen. Die sollen für Menschen stehen, die etwas Besonderes leisten, die Orientierung geben und leuchtende Vorbilder der Gesellschaft sind. Solche Menschen machen einen großen Teil der gut 3000 Gäste aus. So lädt er vor allem Menschen ein, die „wachen Bürgersinn vorleben“, die sich „für ein gutes Zusammenleben und mehr Zusammenhalt in unserem Land“ einsetzen. Das Sommerfest soll aus seiner Sicht eine Gelegenheit sein, fröhlich miteinander zu feiern, zum anderen aber auch Gespräche und Begegnungen der engagierten Bürger miteinander möglich zu machen.

Diesmal sind die Sponsoren des Festes eingeladen, sich vor allem mit ihren sozialen Projekten vorzustellen, was der Anstiftung zu weiterem Engagement und neuen Ideen zusätzlichen Schub verleiht. In eigens aufgebauten Arkaden stellen sich verschiedene Projekte vor. Dazu zählt auch „Cotton made in Africa“, das von Michael Otto, dem Vorstandsvorsitzenden der Otto Group, initiiert wurde. Wichtigstes Ziel der Initiative ist es, die gezielte Nachfrage nach Baumwolle aus Afrika zu fördern, um Kleinbauern dort zu unterstützen.

Nach Michael Ottos Überzeugung ist das auch gut für den Markt, denn „viele Kunden legen Wert darauf, dass bei der Herstellung Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden“. Jeder der Sponsoren tritt mit einem eigenen Themenschwerpunkt auf: die Deutsche Post World Net beispielsweise baut derzeit ein Netzwerk von Katastrophen-Einsatzteams auf, und die Deutsche Bahn bietet mit „Chance Plus“ ein Praktikantenprogramm für Jugendliche, die nur bedingt ausbildungsfähig sind.

Diese Idee, ein in mehrfacher Hinsicht sozial wertvolles, motivierendes Fest zu gestalten, könnte selbst zum Vorbild werden und von anderen Veranstaltern aufgegriffen werden. Zum Kulturprogramm hat der Bundespräsident selbst einen außergewöhnlichen Beitrag geleistet, indem er auf seiner letzten Afrikareise im Frühjahr spontan die Gruppe „Koitrans“ in Botsuana eingeladen hat. Die Musik der Band, die modernen Jazz mit traditionellen afrikanische Instrumenten und Rhythmen zu einem eigenen Stil verbindet, hatte ihn begeistert.

In Gegenwart von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Fifa-Chef Joseph Blatter dankte der Bundespräsident auch der deutschen Nationalmannschaft, „die uns vier Wochen lang verzaubert hat“.

Traditionell endete das Fest, dem der heftige Gewitterregen nichts anhaben konnte, mit einer Illumination des Schlosses. Aber auch bei der normalerweise flüchtigen Licht-Schau setzt der Gastgeber auf Nachhaltigkeit. Die Illumination ist nämlich nicht nur auf diesen einen Festabend begrenzt, sondern wird in den kommenden zwei Wochen abendliche Passanten und Flaneure erfreuen.

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