Berlin : Liberale stimmen für den Mann der leisen Töne

Markus Löning bleibt Landesvorsitzender der FDP

Werner van Bebber

„Etwas kuschelig“ würde es werden, sagte die Präsidentin des FDP-Landesparteitags Ilona Klein gleich zu Beginn. Es war stickig und eng für die 350 Delegierten – aber es war auch eines der spannendsten Polit-Ereignisse in diesem Frühling in Berlin. Sein Ergebnis wird viele in der Berliner FDP überrascht haben. Der neue Landesvorsitzende, den zu wählen sie gekommen waren, ist der alte – er heißt Markus Löning. Mit 180 gegen 163 Stimmen setzte er sich gestern Abend knapp gegen den Herausforderer Martin Lindner durch.

Mit dem Wort „Wahlparteitag“ ist das Treffen der 350 FDP-Delegierten unzureichend beschrieben. Er war der Showdown eines Duells. Sogar Senatssprecher Richard Meng fand die Veranstaltung interessanter als fast alles andere, was man an einem Freitagabend machen kann. CDU-Frontmann Friedbert Pflüger hatte einen Kundschafter entsandt.

Ein halbes Jahr ist es her, dass Lindner den amtierenden Landeschef Markus Löning herausforderte mit der Behauptung, er könne es besser. Es folgte eine Rallye durch die Bezirksverbände und eine harte Debatte über die Vor- und Nachteile der beiden Kandidaten. Am Freitagabend kam es in einem überfüllten und hoch temperierten Saal des Hotels Crowneplaza in Charlottenburg drauf an.

Zunächst redete Herausforderer Lindner: Vor hundert Jahren habe man in Deutschland eine Stunde täglich für den Staat gearbeitet – heute sei es der halbe Tag. Man bekomme dafür schlechte Schulen und Kinderaufbewahranstalten. Deshalb schickten immer mehr Menschen ihre Kinder auf Privatschulen. Auch für Fraktionschefkollegen Friedbert Pflüger fand Lindner harte Worte: Pflüger setze seiner Fraktion mehr Kröten vor als die Grünen je über die Straße tragen könnten.

Löning machte es anders. Er sprach wie gewohnt in leisen Tönen über die sanierten Finanzen der FDP: Man sei jetzt kampagnenfähig. Und er sprach über den Mitgliederstand – 3027 gegenüber 2700 vor vier Jahren, als er das Amt übernahm. Das Gefühl von Gemeinsamkeit vermittelte er, dafür steht er.

Dann traten beide noch mal in umgekehrter Reihenfolge auf – als Kandidaten und Gegner im Duell. „Ich stehe dafür, dass wir nach außen geschlossen auftreten“, sagte Löning. Sein Thema waren liberale Werte, Freiheit, soziale Marktwirtschaft. Er sprach von Bürgerrechten, dem Schutz der Privatsphäre – ein bisschen steif, ein bisschen sehr um Nachdrücklichkeit bemüht, wollte er offensichtlich die Auseinandersetzung mit Lindner vermeiden. Der Beifall auf diese Rede wirkte demonstrativ.

Nicht jeder, der kritisiert, dürfe als Nestbeschmutzer diffamiert werden, konterte Lindner. Kampagnenfähigkeit, die Professionalisierung der Zentrale – das wollten viele. Was er nicht liefern werde, sei politische Nettigkeit statt der Ruppigkeit, die ihm nachgesagt werde. Nettigkeit führte dazu, dass man wieder bei zwei Prozent lande. Die FDP müsse der Stachel im Fleisch der Allesversprecher und Nichtshalter bleiben.

Dieses gegensätzliche Miteinander der beiden Kandidaten hat vier Jahre lang funktioniert – und nach der gestrigen Entscheidung soll es offensichtlich auch künftig so weitergehen. Das haben die Delegierten mit ihrem Votum für Löning entschieden. Werner van Bebber

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