"Liberty Award" in Berlin : NSA-Enthüller Glenn Grennwald spricht im Hyatt

Nach Salman Rushdie und Mohamed el Baradei war in diesem Jahr NSA-Enthüller Glenn Grennwald als Redner zu Gast bei der Verleihung des "Liberty Award" am Potsdamer Platz.

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Glenn Greenwald war am Donnerstag zu Gast in Berlin.
Glenn Greenwald war am Donnerstag zu Gast in Berlin.Foto: dpa

Wie groß die Gefahr für Auslandsreporter in Krisengebieten ist, hat gerade erst der Tod der Fotojournalistin Anna Niedringhaus gezeigt, die in Afghanistan ermordet wurde. An sie wurde erinnert bei der Verleihung des „Liberty Award“ am Donnerstagabend im Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz. Sie war eine von 93 Journalisten weltweit, die in den vergangenen zwölf Monaten ums Leben kamen. Als Redner hatten die Veranstalter Glenn Greenwald gewonnen, der durch die Veröffentlichung der NSA-Enthüllungen im „Guardian“ bekannt geworden war. Zum ersten Mal seit den Enthüllungen hatte er seinen Zufluchtsort Brasilien verlassen. Er sei bedroht und als Krimineller beschimpft worden, fühle sich in Berlin aber sicher, sagte er.

Besondere Redner sind in den letzten Jahren zum Markenzeichen der Liberty Awards geworden. Im vergangenen Jahr sprach der mit einer Fatwa, einer Todesdrohung, belegte britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie, davor reiste unter anderem Friedensnobelpreisträger Mohamed el Baradei an. Seit 2007 werden Journalisten für gefährliche Einsätze mit dem „Liberty Award“ ausgezeichnet. Gestiftet wurde der Preis von dem Tabakunternehmen Reemtsma. Er ist mit 15 000 Euro dotiert. Zu den Nominierten gehörte auch Wolfgang Bauer, der für die „Zeit“ über den Drohnenkrieg in Afghanistan berichtete. Es geht darum, Korrespondenten zu ehren, die sich in Krisengebiete begeben, um aus erster Hand über Missstände zu informieren, und mit ihren Reportagen Zeichen setzen, Meinungsbilder verändern und Veränderungen hervorrufen.

"Spiegel"-Journalisitin erhält Preis

Gewonnen hat in diesem Jahr Susanne Koelbl vom „Spiegel“, die unter anderem über den brutalen Alltag in Damaskus berichtete. Immer wieder habe sie sich an Orte begeben, „wo die Freiheit nur als Sehnsucht existiert“, sagte Laudator Helmut Markwort. Der Focus-Herausgeber wusste auch zu berichten, dass der BND über Monate hinweg Mails der Reporterin abgefangen habe. An die Informationen hätten die Geheimdienstler auch seriöser herankommen können, mahnte er. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Claudia Roth, die im Publikum saß, versprach, die Anregung weiterzugeben.

Der Jury gehörten neben Markwort unter anderem der Medienwissenschaftler Günter Bentele, der Autor Gero von Boehm, RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle, der Autor Hajo Schumacher und Theo Sommer von der „Zeit“ an.

Ein Interview mit Glenn Greenwald ist am Sonntag im Politikteil dieser Zeitung zu lesen.

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