Berlin : Libyscher Familienvater spionierte Landsmann aus

Er hatte sich ein Notizbuch zugelegt. Darin hielt der Libyer Omar K. alles fest, was er über einen in Leipzig lebenden Landsmann, einen Dissidenten, herausbekam. Als Belohnung kassierte er im Mai vorigen Jahres 3000 US-Dollar – und überreichte das Buch im Europacenter seinem mutmaßlichen Führungsoffizier. Diesem Mann aber waren Ermittler längst auf der Spur. Im September klickten für Omar K. die Handschellen. Im Prozess um geheimdienstliche Agententätigkeit vor dem Kammergericht zeigte sich der 46-Jährige am Dienstag geständig.

Omar K. habe gewusst, „dass die Informationen für Tripolis bestimmt waren“, erklärte der Verteidiger. Den Mann vom libyschen Geheimdienst habe der Angeklagte in Italien kennengelernt. Bei dem mutmaßlichen Führungsoffizier handelt es sich um Adel A., einen Beamten des libyschen Außenministeriums. Ihn hält die Bundesanwaltschaft für einen reisenden Spion, der europaweit ein Netz von informellen Mitarbeitern betreute. Gegen ihn hatte das Kammergericht bereits vor knapp drei Wochen eine Strafe von zweieinhalb Jahren Haft verhängt.

„Ziel war es, die libysche Opposition zu schwächen“, sind die Ankläger sicher. Der gelernte Elektrotechniker Omar K. spionierte Ermittlungen zufolge von Mai bis September 2010 in Berlin und Halle in Sachsen-Anhalt, wo er wohnt. Über einen Landsmann sammelte er Informationen, zu einem weiteren Libyer nahm er per E-Mail Kontakt auf. Dieser Mann war als libyscher Dissident bekannt. Omar K. trat als Regimekritiker auf. Er bat darum, ihm Treffen und Veranstaltungen mitzuteilen. Er wollte sich unter dem Deckmantel einer regimekritischen Haltung in oppositionelle Kreise einschleichen.

Der Angeklagte räume die Vorwürfe „vollumfänglich ein“, sagte der Verteidiger. K. habe sich selbst nicht als einen „hauptamtlichen Mitarbeiter“ des libyschen Geheimdienstes gesehen. Nach seinem Geständnis kann der Familienvater nun mit einer Bewährungsstrafe rechnen. Der Prozess wird am 4. Februar fortgesetzt. K.G.

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