Berlin : Licht an, Drogen raus – Razzia im Tresor

Polizei stürmte Technoclub: 400 überprüfte Personen, eine Festnahme. Betreiber kritisieren Einsatz als überzogen

Tanja Buntrock

Plötzlich geht das grelle Deckenlicht an, die wummernden Techno-Beats verstummen. „Dies ist ein Polizeieinsatz. Bitte bleiben Sie an Ihren Plätzen und halten Sie Ihre Ausweise bereit“, brüllt jemand in die vernebelte Reglosigkeit. So schildert es ein Augenzeuge, der in der Nacht zu Sonntag gegen 2 Uhr im Techno-Club Tresor in der Leipziger Straße war. Eine komplette Einsatzhundertschaft, Teile von Direktionshundertschaften, Beamte des Landeskriminalamtes stürmten die Disko. Sie waren zum Teil uniformiert und hatten Drogenhunde dabei. Los ging eine Drogen-Razzia, wie sie die meisten Gäste sonst nur aus dem Fernsehen kennen.

400 Personen in dem Club wurden überprüft, heißt es im Polizeibericht. Ergebnis: Suchhunde hätten „mehrere Konsumentenportionen verschiedener Drogen“ gefunden. In 16 Fällen konnten die Besitzer zugeordnet werden. Sie erhielten eine Strafanzeige. Ein Mann wurde festgenommen. „Der Betroffene wurde mit Haftbefehl wegen einer noch offenen Reststrafe von 14 Monaten wegen eines Rauschgiftvergehens gesucht“, hieß es am Sonntag bei der Polizei.

Die Geschäftsführerin vom Tresor, Regina Baer, hat von einem Angestellten gehört, was passiert ist. Sie ist verärgert. „Das war völlig unverhältnismäßig, mit 800 Beamten in den Club zu stürmen und nach Drogen zu suchen.“ Die Geschäftsführerin vermutet: „Hier hat jemand ein Interesse, den Club fertig zu machen.“ Ein Polizeisprecher spricht hingegen von nur „etwa 300 Beamten“, die den Tresor durchsucht hätten. Harte und weiche Drogen „in verschiedenen Portiönchen“ sollen gefunden worden sein. Wie viel genau es waren, werde noch ausgewertet. Ebenso, was genau für Betäubungsmittel gefunden worden waren. Die Polizei hätte schon seit längerem einen „Verdacht des Rauschgifthandels“ im Tresor, sagte ein Sprecher. Deswegen habe es auch einen Durchsuchungsbeschluss gegeben.

Regina Baer sagt, dass es vor mehr als vier Jahren zuletzt eine große Razzia im Tresor gegeben habe. Damals hätten 200 Polizisten außer zwei minderjährigen Gästen nichts Unrechtmäßiges gefunden. Ein leitender Beamter habe sich später für diese „lächerliche Aktion“ entschuldigt. „Für meine Angestellten lege ich die Hand ins Feuer. Ich habe mit ihnen geredet und gezielt darauf hingewiesen, dass Drogen hier nichts zu suchen haben“, sagt Baer. Was die Gäste anginge, könne das Personal nicht jeden Einzelnen auf Drogen kontrollieren. Wer aber damit erwischt wird, „fliegt sofort raus und hat Hausverbot“.

Im Polizeibericht heißt es, dass die Disko nach der Razzia geschlossen wurde und die Ermittlungen andauern. Was das nun für den Tresor bedeutet, ist unklar. „Wir würden normalerweise am Mittwoch wieder öffnen“, sagt Baer. Ob sie das darf, weiß sie nicht. Am heutigen Montag will die Geschäftsführerin einen Anwalt einschalten.

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