Berlin : Licht aus!

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VON TAG ZU TAG

Stephan Wiehler fordert

regelmäßige und längere Stromausfälle

Erst fiel der Strom in Amerika aus, dann in Schweden. Zuletzt lag Italien im Dunkeln. Jetzt blieb auch in Berlin der Saft weg. Am Donnerstagmorgen sah Charlottenburg für zwanzig Minuten schwarz: Ampeln fielen aus, UBahnen blieben stehen und in 100000 Haushalten versagten Fernseher und Kaffeemaschinen. Am Dienstagnachmittag hatte ein Kabeldefekt Teile von Wedding lahmgelegt. Dort waren 20000 Haushalte ohne Strom. Supermärkte mussten schließen, im Rudolf Virchow-Klinikum sprang das Notstromaggregat an.

Das Jahr 2003 geht als das Jahr der Blackouts in die Geschichte ein. Und immer ist vom volkswirtschaftlichen Schaden zu hören, den Stromausfälle verursachen. Vom volkswirtschaftlichen Nutzen redet niemand. Wo immer der Strom ausfällt, setzen Menschen ungeahnte Energien frei. In Notsituationen wie diesen neigen sie, sagen wir mal, zu Kurzschlusshandlungen. Die entladen sich in negativen Energien (Überfälle, Plünderungen, Brandstiftung), aber auch in positiven Energien, die durch kontrollierte Stromabschaltungen bewusst gefördert und verstärkt werden könnten. Mit dem Prinzip der nachhaltigen Energieunterbrechung könnten sogar die Sozialsysteme gesichert werden.

Wie das funktionieren könnte, hat der große Blackout von New York im Juli 1977 gezeigt. Dort war in einer heißen Sommernacht stundenlang der Strom ausgefallen. Neun Monate später zählte man drei Mal so viel Geburten wie üblich. Mit längeren und regelmäßigen Stromausfällen zu attraktiven Paarungszeiten wäre also manches für den Generationenvertrag rauszuholen. Ob im Auto vor der ausgefallenen Ampel oder zu Hause bei Kerzenlicht.

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