Berlin : Licht im Dschungel

Wegen einer Messerstecherei vorm „Jungle“ starb ein SEK-Polizist. Jetzt heißt die Disko „Jay“ und hat neue Betreiber. Aus der Fußballwelt.

Ariane Bemmer

Am liebsten hätten die Neuen den alten Namen behalten: „Jungle“. Aber das habe die Polizei nicht gewollt. Weil mit „Jungle“ schlechte Erinnerungen verbunden sind. An die Türsteher-Szene, an die Messerstecherei am 18. April, und die Fahndungs-Razzia in der Kienitzer Straße nur fünf Tage später, wo der SEK-Beamte Thomas Krüger tödlich getroffen wurde. Wegen all dem kam „Jungle“ nicht länger in Frage.

Die Neuen entschieden sich für „Jay“. Den Anfangsbuchstaben von „Jungle“. Danach sieht schließlich auch die Einrichtung immer noch immer aus: Künstliche Palmen und üppige Blumen an der Wand und Affen, Schwarzlicht und Käfiggitter. Der neue Name war eine schnelle Entscheidung. Vielleicht deshalb, weil diejenigen, die sie fällten, vom schnellen Fach sind: Fußballspieler nämlich. Christian Fährmann, ehemals Hertha BSC und 1. FC Union, und Manuel Cornelius, ehemals Tennis Borussia Berlin.

Jetzt eröffneten sie den „Jay-Club“, wo früher das „Jungle“ war. In der Johannisthaler Chaussee, Höhe Rudower Straße. Eine schmucklose Vorstadtstraße, viel Wohnen, ein bisschen Einzelhandel, ein bisschen Freizeitangebot. An der Ecke ist das hell erleuchtete Kieser Rückenstudio. Kurz dahinter leuchten die roten Buchstaben des „Jay“ – dienstags, freitags und sonnabends ab 22 Uhr, donnerstags beginnt um 18 Uhr ein Afterwork-Club. Es gibt Black Music, Disco und was sonst gefällt und am langen Tresen Bier, Sekt und Wein oder Cocktails. Wer sich auf die Eigenkreation „Jay Jay“ einlässt, bekommt eine Literkaraffe in die Hand gedrückt und kann einen Wodka-Drink durch meterlange Strohhalme einsaugen.

Wenn man denn reinkommt. Ein neuer Sicherheitsdienst steht vor der Tür. Der habe das Ku’dorf aufgeräumt, der werde auch das Jay „sauber halten“, sagt Cornelius. Man will die Leute von früher raushalten. Die Jugendlichen aus der Umgebung sollen kommen und sich amüsieren. Und was die wollen, wissen Cornelius und Fährmann, sie sind beide in der Gegend aufgewachsen. Sie wissen, dass die 15- und 16-Jährigen ins „U7“ gehen, und später ins „Jungle“. „Von Britz bis Marienfelde gibt es keine Konkurrenz“, sagt Cornelius. Er und Fährmann, der stiller Teilhaber ist, hätten schon lange nach einem zweiten Standbein gesucht. Neben dem Fußball. Eigentlich wollten sie eine Cocktailbar eröffnen. Dann wurde das „Jungle“ angeboten.

Die Polizei war von Anfang an dabei. Sie riet den Neuunternehmern dazu, eine neue stabile Tür zu kaufen und Kameras aufzuhängen. Falls nichts passiert, werden deren Aufnahmen gelöscht, falls doch, hat man Bilder davon. Außerdem gibt es einen engen Draht zur Wache und zu SEK-Beamten.

Und zur Fußball-Prominenz. Fährmann kennt Michael Ballack seit langem, eine Freundschaft, die nie abgerissen ist, auch wenn der eine den kometenhaften Aufstieg in die Nationalmannschaft schaffte und der andere in der zweiten Bundesliga und darunter spielte. Und bei der Eröffnungsfeier waren Axel Kruse, der an der Jannowitzbrücke „Kruse’s Sportsbar“ betrieben hatte, und Hendrik Herzog da. Beide spielten früher für Hertha BSC in der Bundesliga. Das war schon ein Schritt auf dem Weg zum „neuen Image“, das Cornelius und Fährmann wollen. Und dass am Eröffnungsabend 500 Gäste kamen – während 400 gar nicht erst reingelassen wurden.

Jay-Club, Rudower Straße 131, dienstags und sonnabends bis 23 Uhr freier Eintritt, danach fünf, bzw. sechs Euro, donnerstags ab 25 Jahren Eintritt frei, freitags haben Frauen bis 23 Uhr freien Eintritt, danach sechs Euro

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