Berlin : Licht trotz Schatten

Ein Besuch bei der „American Church“ am Dennewitzplatz in Schöneberg

G,a Bartels

Wochentags umtost Verkehr die Lutherkirche auf dem Dennewitzplatz. Jetzt am Sonntag herrscht himmlische Ruhe. Zartes Birkengrün wippt im Wind und auf den Steinbänken vor der Kirche sitzt eine afroamerikanische Familie lachend in der Sonne. Seit 2003 feiert die einige hundert Mitglieder starke „American Church in Berlin“ ihre Gottesdienste hier in Schöneberg an der Bülowstraße. Und das, wie zu Beginn das Irakkriegs, nicht selten unter Polizeischutz. Davon ist heute trotz der Terrorwarnung an in Berlin lebende Amerikaner nichts zu spüren. Und auch das Massaker an der Universität in Blacksburg vor einer Woche wirft nur kurz im Gebet seinen Schatten. Ansonsten ist die Stimmung bestens, das englischsprachige Völkergemisch bunt und die Begrüßung herzlich. Neuberliner und Touristen aus Kamerun, Schottland und den USA stellen sich unter Applaus kurz selber vor.

Dann begleiten afrikanische Bongos eine aufgekratzte Hymne, die von Glaubenszuversicht und Osterfreude erfüllt ist. Auch bei Evangeliumslesung und Predigt folgen Reverend Ben Coltvet und sein Laienteam dem Kirchenjahr. Und da besucht der auferstandene Christus seine fischenden Jünger am See Tiberias. Besonders den Verleugner Petrus prüft er auf Herz und Nieren, und fordert ihn später auf: „Folge mir nach.“

Jesus nachzufolgen sei für alle Menschen die beste Idee, findet Pastor Coltvet. Er sei die Verbindung zur „wahren Kraft Gottes“, ohne die das Leben sinnlos sei. Und er sei die „wahre Quelle zur Vergebung der Sünden“. Er nennt Alltagssünden wie „Neid, Eifersucht und sexuelle Amoralität“, Mord und Totschlag aber nicht. Das illustriert Coltvet mit kleinen Anekdoten und Geschichten, die zuverlässig Gelächter auslösen. „Die menschliche Existenz spielt sich zwischen zwei Buchstützen ab: Geburt und Tod. Alles dazwischen – Aufwachsen, Beruf, Familie – ist nur Füllung.“ Beim Weg aus der Kirche möchte der Reverend die 120 Leute gern freudig zum Bongotrommelsong tanzen sehen. Das traut sich dann aber doch keiner. Afrika ist in der Lutherkirche trotz der farbenprächtigen Turbane einiger schwarzer Frauen mindestens so weit weg wie Amerika.

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