Berlin : Licht und Luft für finstere Ecken

Polizei und Versicherungen haben gefährliche Orte in der Stadt erforscht – und geben Tipps, wie sie sicherer werden können

Tanja Buntrock

Schlecht beleuchtete Wege, dunkle Straßenecken oder von hohen Hecken umwucherte Parkplätze: Hier haben Kriminelle leichtes Spiel. Sie suchen sich gezielt Orte aus, wo schnelle Beute zu machen und der Fluchtweg nicht versperrt ist.

Schon kleine städtebauliche Veränderungen können helfen, der Kriminalität vorzubeugen. Jetzt ist erstmals eine Studie erschienen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und die Polizei-Führungsakademie in Münster haben sie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse wurden in einer Broschüre veröffentlicht mit dem Thema: Wie kann öffentlicher Raum so gestaltet werden, dass der Kriminalität vorgebeugt wird? Oder anders: Wie kann man besser planen und dadurch Straftaten vermindern?

In Berlin sind solche Fragestellungen schon seit längerem ein Thema. Die Bezirke kümmern sich in der Regel selbst darum, wie so genannte „Angsträume“ vermieden werden können. Dabei geht es nicht nur darum, Straftaten vorzubeugen, sondern auch das „subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger“ zu verbessern, sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland. Dabei arbeiten die Bezirke eng mit der Polizei zusammen. „Für uns ist das ein großes Thema“, sagt Rohland. Auf die Ergebnisse der neuen Studie sei man deshalb gespannt.

Allein in Neukölln laufen drei Projekte, in denen öffentlicher Raum so umgestaltet wird, dass sich die Bewohner sicherer fühlen können. So wird ein begrünter Verbindungsweg – ein so genannter Grünzug – in der Gropiusstadt von Britz nach Rudow verändert: „Der Zick-Zack-Weg wird begradigt, damit keine dunklen Nischen entstehen. Außerdem werden neue Lampen installiert, damit es heller wird“, sagt Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU). Im Buschrosenpark seien Hecken gestutzt worden, um den Überblick zu behalten. Und mit der BVG habe man sich nach der Sanierung des U-Bahnhofs Britz-Süd einigen können, „dass die BVG den Weg, der zu den Eingängen führt, kauft, ihn beleuchtet und im Winter Schnee und Eis beseitigt“.

Doch wer durch Parks und Grünanlagen fährt, wird sich in Berlin auch weiter unsicher fühlen. „Grünanlagen werden grundsätzlich nicht beleuchtet“, dafür fehle das Geld, sagt Stadträtin Vogelsang. Ausnahmen seien selten.

Auch im Bezirk Mitte macht man sich über das Sicherheitsgefühl der Anwohner Gedanken. Bei der Planung einer Grünanlage, die im kommenden Jahr in der Kiautschoustraße entstehen soll, hat sich der Bezirk zuvor mit der Polizei beraten. „Gerade, was die Bepflanzung angeht, gab es gute Tipps“, sagt Kerstin Rietz vom Stadtplanungsamt. So genannte „Bunker“ – also Drogenverstecke im Unterholz – sollten vermieden werden, indem die Büsche „transparenter angepflanzt werden“.

Auch bei der BVG gehört die Sicherheitsabteilung zu den großen Bereichen des Unternehmens. Nicht nur die Videoüberwachung auf Bahnhöfen und in U-Bahnzügen soll das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste erhöhen. „Auch grelles Licht auf den Bahnhöfen trägt dazu bei“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. So wurde bei der Sanierung der Bahnhöfe entlang der U5 „gleißendes Licht verwendet, um Angst-Ecken zu vermeiden“. Neben Notrufsäulen sollen auch Geschäfte in Bahnhöfen Sicherheit vermitteln. „Der Fahrgast hat das Gefühl, er ist nicht allein“. Auch Winfried Roll, Leiter für Prävention beim Landeskriminalamt, empfiehlt: Licht, Lärm, Leute als besten Schutz vor finsteren Gestalten. Die baulichen Veränderungen, die Sicherheit fördern, seien Sache der Stadtplaner. „Die Polizei berät dabei.“

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