Berlin : Lichtblicke und Einblicke

Die 20. Lange Nacht der Museen zog wieder viele Berliner und Gäste in ihren Bann – trotz des Nieselregens

Daniela Martens

Klaus Wowereit ist kein Museumsstück. Findet Kathrin Herold. „Und wenn, dann eins, das man gerne anschaut“, sagt die Berlinerin lachend und wird ein bisschen rot. Sie ist gerade mit ein paar hundert anderen Berlinern auf dem Weg ins Büro des Regierenden Bürgermeisters – am Sonnabend, kurz nachdem Wowereit die 20. Lange Nacht der Museen eröffnet hatte.

Dabei hatte er gescherzt, es gebe bestimmt Berliner, die ihn für „museal“ hielten – weil das Rote Rathaus zu den 110 bei der Veranstaltung geöffneten Attraktionen gehörte. Die vielen Museen seien ein besonderer Reichtum der Stadt. „Mir geht das Herz auf, wenn man die Schlangen vor dem Gropiusbau sieht.“

Ein paar Stunden später ist Christoph Brömel ganz und gar nicht derselben Meinung. Eigentlich wollte er eben dort in die Ägypten-Ausstellung – die wartenden Besuchermassen haben ihn abgeschreckt. Insgesamt 40 000 hatten die Organisatoren vom Museumspädagogischen Dienst bis zwei Uhr morgens erwartet.

Brömel steht im Museum für Kommunikation – in der Sonderausstellung „liebe. komm. Botschaften des Herzens“.

Die Museumsführerin erzählt etwas über die Kunst des Flirtens mit einem Fächer. Doch der Maschinenbau-Ingenieur erprobt gerade eine andere Form der Kommunikation – er tippt in sein neues Handy. Das ist sogar noch eingeschweisst. Telefone interessieren ihn anscheinend überhaupt mehr als Botschaften des Herzens: „Die alten hier im Museum sind wirklich schön. Die erinnern mich an meine Kindheit“.

Etwas deplaziert wirken auch zwei junge Männer im Pergamon-Museum: Steve und Thorsten, 21 und 23, passen mit Baseballkappe, Irokesen-Haarschnitt und tätowierten Armen nicht ganz zum babylonischen Ischtar-Tor. „Wir wollten nicht länger als Kulturbanausen gelten“, sagt Thorsten. Er arbeitet als Maurer am Pergamon-Museum und hat sich die antiken Relikte noch nie wirklich angesehen. „Wir mussten uns det Ganze doch mal so richtig zu Gemüte ziehen“, sagt Steve. Er arbeitet als Gebäudereiniger ebenfalls im Museum.

Im neuen DDR-Museum an der Karl-Liebknecht-Straße ist das Gedränge groß. „Nervig“ findet der Kreuzberger Boris Wieting das. Gemeinsam mit seiner Freundin Manuela Patzer aus Treptow will er bei der Nacht der Museen „deine und meine Geschichte ein bisschen aufarbeiten“ – zuerst Manuelas Ost-Vergangenheit im DDR-Museum. Dann die eigene im Kreuzberg-Museum. Im DDR-Museum legt ein DJ zur Erinnerung längst vergessene Ost-Schlager auf: „Weiße Wolken wandern bis ans blaue Meer“, tönt es aus den Lautsprechern. Und draußen nieselt es dazu ganz leise.

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