Lichtenberg : Ausschreitungen bei Neonazi-Demo

Ein Aufmarsch von etwa 800 Neonazis in Lichtenberg musste wegen Sitzblockaden umgeleitet werden. Bei Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei wurden Wasserwerfer eingesetzt. Es kam zu über 70 Festnahmen.

Jörn Hasselmann,Sigrid Kneist
Nazidemo
Wasserwerfer wurden gegen die Gegendemonstranten eingesetzt. -Foto:dpa

Die Polizei hat am Samstagnachmittag eine Demonstration von etwa 800 Neonazis in Lichtenberg aus Sicherheitsgründen abgekürzt. Aufgrund der massiven Gegendemonstration und ständiger Sitzblockaden der Nazigegner konnten die Rechtsextremisten nicht wie geplant vom S-Bahnhof Karlshorst durch den Weitlingkiez, der als ihre Hochburg gilt, zum S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost ziehen. Sie wurden von der Polizei durch die Volkradstraße zum Bahnhof geleitet.

Unter die 800 Gegendemonstranten, darunter Mitglieder der Linkspartei, SPD und der Gewerkschaften, hatten sich auch 400 Angehörige der gewaltbereiten autonomen Szene gemischt, die sich teils heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten. Wasserwerfer wurden eingesetzt. Die Polizei war mit 1600 Beamten angetreten. Bis zum späten Nachmittag wurden 70 Gegendemonstranten festgenommen. Die Polizisten griffen auch aus der Menge der 800 Rechtsextremisten einige Teilnehmer heraus. Der Zug der Rechtsextremisten, die nach einem Aufruf der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten für ein „nationales Jugendzentrum“ demonstrieren wollten, hatte sich gegen 12.30 Uhr in Marsch gesetzt. Der Einsatzleiter der Polizei, Michael Knape, sprach von einer „neuen Zusammensetzung“ der Teilnehmer. Die Szene sei „härter und radikaler“ als früher. Knape beschrieb die Stimmung bei den Neonazis als „sehr gereizt“. Unter den Rechtsextremisten waren viele schwarz gekleidete „autonome Nationalisten“ zu sehen, die als gewaltbereit gelten. Auf ihrem Zug Richtung Weitlingstraße kamen die Neonazis nur äußerst langsam voran. Immer wieder verzögerten Sitzblockaden der Nazigegner, dass sie weiter marschieren konnten.

Am frühen Nachmittag spitzte sich die Situation zu; es drohte eine Massenschlägerei. An der Sewanstraße hatten gewaltbereite Gegendemonstranten, die sich auf den Freiflächen zwischen den dortigen Hochhäusern postiert hatten, unter anderem Flaschen und Steine auf die vorbeiziehenden Neonazis geworfen. Gegen 15.30 Uhr räumte die Polizei dann die Kreuzung Sewan-/Volkradstraße, wo sich rund 500 Gegendemonstranten niedergelassen hatten. Unter ihnen war auch die Bürgermeisterin von Lichtenberg Christina Emmrich (Linke), die nun mit einer Anzeige der Polizei zu rechnen hat. Emmrich hatte zuvor versucht, die Gegendemonstranten dazu aufzurufen, die Kreuzung zu räumen, damit die Polizei die Nazidemo umleiten kann. Als sie damit keinen Erfolg hatte, war sie dennoch auf der Kreuzung geblieben. Emmrich nannte es trotzdem einen Erfolg, dass die Rechtsextremisten nicht durch den Weitlingkiez ziehen konnten. Auch der Linkspartei-Abgeordnete Giyasettin Sayan hatte zwischendrin versucht, zwischen Polizei und Demonstranten zu vermitteln. Die abgedrängten Linksautonomen griffen die Polizeibeamten an; diese setzten Wasserwerfer ein. Die Rechtsextremisten hielten abschließend eine Kundgebung auf der Straße Alt-Friedrichsfelde ab.

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