Berlin : Lichtenberg: Gewalt zwischen Rechten und Linken eskaliert

Zwei Überfallene kamen am Mittwoch mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus - Polizeipräsenz wurde in der Nacht verstärkt

Jörn Hasselmann

Im Weitlingkiez eskaliert die Gewalt zwischen Linken und Rechten. Drei Tage nach dem Überfall auf den PDS-Jungpolitiker Kirill Jermak wurden am Mittwochabend zwei bekannte Rechtsextremisten, ein 19-jähriger Mann und seine 21-jährige Freundin, gezielt zusammengeschlagen. Drei vermummte Personen griffen die beiden hinterrücks an, schlugen sie zu Boden, die Frau bekam Pfefferspray ins Gesicht. Beide kamen mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Tatort war – wie beim Überfall auf Jermak – der Bahnhof Lichtenberg. Die Täter konnten flüchten. In beiden Fällen ermittelt der für politische Delikte zuständige Staatsschutz der Polizei.

Nach Angaben der Lichtenberger Antifa-Gruppe hat es in diesem Jahr bereits 26 Attacken von Rechten im Weitlingkiez gegeben, wie viele Attacken Linker es gab, ist unklar – die Polizei machte keine Angaben. „Eine sehr angespannte Situation“, konstatierte ein leitender Polizeibeamter, „wir betrachten das mit Sorge“. Begonnen habe es bereits im Mai mit dem vermutlich ausländerfeindlichen Überfall auf den PDS-Politiker Giyasettin Sayan, „seitdem ist nichts mehr wie es war“, sagte der Beamte. Der 56-jährige Abgeordnete hatte dabei schwere Kopfverletzungen erlitten, ermittelt wurden die Täter nicht.

Beim Überfall am Mittwochabend vor dem U-Bahn-Ausgang Weitlingstraße wurden zwei rechte „Szenegrößen“ angegriffen: Sebastian Z. und dessen Freundin Stefanie P. gehörten zur mittlerweile verbotenen „Kameradschaft Tor“. Die Stefanie P. ist mittlerweile bei der Jugendorganisation der NPD aktiv. Sebastian Z. steht im Verdacht, die verbotene Kameradschaft unter neuem Namen fortzuführen. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb im Januar dessen Wohnung durchsucht. Nach Angaben der Antifa waren beide an mehreren gewaltsamen Angriffen auf die linke Szene beteiligt.

Wie es bei der Polizei hieß, soll sich die rechte Szene des Weitlingkiezes nach dem Überfall sofort versammelt haben. Die ohnehin massive Polizeipräsenz wurde in der Nacht verstärkt, um Racheakte zu verhindern. Der leitende Beamte sprach von einer „straffen Kommunikation“ in der rechten Szene.

Auslöser der aktuellen Attacken war die Silvio-Meier-Demo am vergangenen Wochenende. Die Polizeiführung hatte 1200 Polizisten aufgeboten, um Schlägereien zwischen links und rechts zu verhindern. Am Tag darauf war dann Kirill Jermak überfallen worden – er hatte die Demo angemeldet. Der Hausbesetzer Silvio Meier war vor 14 Jahren von rechten Jugendlichen getötetet worden.

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