Berlin : Lichtenberg: Mit Radiergummi und Klebeband

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Hätte Hans Dehnert nicht vor fünf Jahren zufällig in den Rucksack seines Enkels geschaut, würde es das ABM-Projekt "Aufarbeitung von Schulbüchern" wahrscheinlich nicht geben. Was der Großvater damals sah, schockierte ihn: Schon am Anfang des neuen Schuljahres waren die Bücher des Jungen lädiert. So kam Dehnert die Idee, alte Schulbücher aufzuarbeiten. Die Gesellschaft für Arbeitsförderung mbH (GfA), in der er bereits beschäftigt war, nahm sich der Sache an. Verbindung zu mehreren Arbeitsämtern wurde aufgenommen und 1996 das Projekt als AB-Maßnahme gestartet. Schulen in den Bezirken Lichtenberg, Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen gehören inzwischen unter anderem zu den Stammkunden. "Genau 136 115 Bücher konnten wir bisher reparieren," sagt der Projektkoordinator Dehnert deutlich. Anders ausgedrückt: Schulbücher im Wert von 3,4 Millionen Mark mussten nicht neu angeschafft werden.

In der Herzbergstraße 55 herrscht derzeit Hochsaison. Etwa 2000 Bände warten dort auf ihre Schönheitskur. Mit Radiergummi, Tintenkiller, Klebeband und Leim bewaffnet gehen zehn Mitarbeiter ans Werk. Seite für Seite blättern sie um, entfernen Krakelein, kleben Risse und befestigen lose Blätter. Fehlt eine Seite, wird ein Abzug aus einem vollständigen Buch gemacht und eingefügt. Auch die Einbände erhalten ein sauberes Gesicht, werden beschnitten, neu gerahmt und wenn nötig gepresst. "Die Bücher sehen dann aus wie neu und können noch ein paar Jahre genutzt werden", sagt Brigitte Schendel, die gerade Klebestreifen für abgewetzte Französisch-Lektüre zuschneidet.

Sind denn bestimmte Fachbücher ganz besonders verschmutzt? Nach Dehnerts Erfahrung muss vor allem in Mathe- und Deutsch-Bänden viel radiert werden. Damit sich dies ändert, fertigten die ABM-Leute ein Riesenbuch an, mit dem die aufwendige Reparatur vor Schulklassen anschaulich gemacht werden soll.

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