Berlin : Lichtenberg ohne einstürzende Neubauten

Das Bauaufsichtsamt gibt Entwarnung in der Pfarrstraße: Kein Schaden an der Substanz des gesperrten und evakuierten Hauses

Ralf Schönball

Aufatmen in Lichtenberg: Mit dem Einsturz des Neubaus in der Pfarrstraße ist nicht mehr zu rechnen. Ein Statiker hat im Auftrag des Bezirksamtes Entwarnung gegeben. Die 42 Bewohner, die in der Nacht zum Sonnabend das Gebäude verlassen mussten, durften das Haus bereits gestern wieder betreten. Die Risse im Treppenhaus, die nach den heftigen Regenfällen am Wochenende Schlimmes befürchten ließen, sind offenbar schon älter. Vor dem Gebäude hatte das Wasser ein zehn Meter langes, tiefes Loch in den Gehweg gerissen.

Bevor die Bewohner endgültig wieder einziehen können, müssen noch die Versorger der Rückkehr zustimmen: Unklar war vor Redaktionsschluss, ob die Leitungen für Strom, Heizung und Wasser intakt sind. Nur die Gasag soll bereits Entwarnung gegeben haben. „Wir rechnen damit, dass die Bewohner frühestens Dienstag wieder in das Haus einziehen können“, sagte Marion Langer vom Bauaufsichtsamt des Bezirksamtes Lichtenberg-Hohenschönhausen.

Unklar ist gegenwärtig noch, warum ausgerechnet der Neubau an der Pfarr- Ecke Kaskelstraße so stark von den Wasserfluten betroffen war. Altbauten in der Nachbarschaft blieben – von üblichen Wasserschäden abgesehen – vom heftigen Unwetter verschont. Anwohner erklären das damit, dass unter dem Haus der frühere „Kuhgraben“ verläuft und über den Graben einst Abwasser von angrenzenden Feldern abgeleitet wurde. Diesen Weg unter der Erde könnte das Wasser gewählt und den Gehweg unterspült haben und dann in den Keller des Hauses eingedrungen sein. Diesen Spekulationen will das Tiefbauamt nachgehen und mit Hilfe einer Sonde die Dichte des Erdreiches unter der Bodenplatte des Hauses überprüfen.

„Wasser und Sand sind über die Lichtschächte des Kellers eingedrungen“, sagt Bernd Wahrenholz. Er prüft den Schaden im Auftrag des Eigentümers des Hauses in der Pfarrstraße. Die Schäden im Treppenhaus habe er bereits vor einigen Monaten bei einer Begehung des Gebäudes protokolliert. Eine Beseitigung dieser Schäden, die keinen Einfluss auf die Tragfähigkeit des Gebäudes hätten, sei bereits vor dem Unwetter geplant gewesen.

Bei der Feuerwehr heißt es, dass 150 000 Liter „eingebrochenes Wasser“ aus dem Haus abgepumpt wurden. Auch drohenden Umweltschäden wurde vorgebeugt: Rund 500 Liter Hydrauliköl aus dem Aufzug waren ausgelaufen und hatten sich im Keller mit dem eingedrungenen Wasser vermengt. Ein spezieller Pumpwagen wurde deshalb angefordert, der 3000 Liter „kontaminiertes Öl-Wasser-Gemisch“ entsorgte.

Auch aus anderen Stadtgebieten werden überflutete Keller gemeldet. Nach Angaben eines Mieters in der Reinickendorfer Ragazerstraße hatte sich das Wasser dort wegen verstopfter Fallrohre, die Wasser von den Regenrinnen abführen, sowie wegen verschmutzter Wasserabläufe vor den Kellertüren einen anderen Weg geebnet – auch in diesem Fall führte er ins Untergeschoss des Wohnhauses.

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