Berlin : Lichter aus im Spreepark

Bewohner des Treptower Geländes haben keinen Strom mehr

Judith Jenner

Die Tür zu seinem Büro muss Detlef Jampert trotz sommerlicher Temperaturen geschlossen lassen. Der Notstromgenerator ist einfach zu laut. Am Montag hat die Bewag den 23 Bewohnern des Spreeparks und Jamperts Firma Profecta Tiefbau GmbH , die in einem Haus des ehemaligen Vergnügungsparks ihre Büroräume hat, den Strom abgestellt.

Eine 30-Kilovolt-Trafostation hat bisher die Mieter des Westerndorfs versorgt. Diese ist Montagmittag vom Netz genommen worden. „Der Liegenschaftsfond hat uns im April gebeten, den Strom abzustellen“, sagt Bewag-Sprecherin Barbara Meifert. Zurzeit läuft ein Rechtsstreit zwischen dem Insolvenzverwalter und dem Erbauer des Westerndorfs, Rolf Deichsel, um die sechs bewohnten Westernhäuser. Deichsel beharrt darauf, dort wohnen zu bleiben, während der Liegenschaftsfond das Gelände für den Interessenten Tivoli räumen lassen will.

Familie Schiller kocht auf einem Gasherd Kaffee. „Wenn wir bis Donnerstag keinen Strom haben, werde ich gegen den Liegenschaftsfonds klagen“, sagt Peter Schiller, der mit sechs kleinen Kindern im Westerndorf lebt.

Der Mann gibt sich kämpferisch. Früher hat er bei den Wildwestshows im Cowboydorf mitgespielt. Das verrottet heute zwischen meterhohem Unkraut. Von seiner Veranda aus sieht Peter Schiller Dinosaurier-Atrappen und ein rostiges Riesenrad – bizarre Überbleibsel des Spreeparks, der 2002 in die Insolvenz ging. Für sein 130-Quadratmeter-Haus mit Garten bezahlt er 650 Euro Kaltmiete. Den Strom hat er bislang monatlich an seinen Vermieter bezahlt.

Jetzt sind Waschmaschine, Computer und das Ladegerät fürs Handy tot. „In der Kühltruhe tauen die Lebensmittel auf“, klagt Ehefrau Nancy. Die Arbeitslosengeld-II-Empfänger wollen nicht in die angebotenen Ausweichquartiere des Sozialamtes Treptow-Köpenick umziehen. „Wir bleiben hier!“

Auch Unternehmer Detlef Jampert will rechtliche Schritte gegen den Liegenschaftsfonds einleiten. Er fürchtet um seine Existenz und die seiner 14 Angestellten.

„Sobald wir einen Auftrag erteilt bekommen, können wir die Menschen wieder mit Strom versorgen“, sagt die Bewag-Sprecherin. Bis dahin brummt bei Detlef Jampert das Notstromaggregat weiter, und Familie Schiller sitzt im Dunkeln.

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