Berlin : Lichterfelde: Immobiliensumpf auf ehemaligem Alliiertengelände

Ole Töns

Drohende Insolvenz und Pfusch am Bau: Der weiträumige Platz des 4. Juli an der ehemaligen McNair-Kaserne in Lichterfelde liegt heute in einem Krisengebiet der Immobilienwirtschaft. Ein sogenanntes Loftland im Grünen wollte die Immobilienfirma Rentaco AG in den einst militärisch genutzten Telefunkengebäuden aus den 30er Jahren einrichten. Noch im Herbst vergangenen Jahres war von einem Wellnesszentrum, einem Hotel und mindestens 120 großzügigen Loftwohnungen die Rede. Jetzt steht die Rentaco im Insolvenzverfahren. Schlechte Nachrichten gibt es auch von einem weiteren ambitionierten Projekt auf ehemaligem McNair-Gelände.

Kontaminierter Boden macht der Wohnungsbaugesellschaft Bavaria bei einem großangelegten Reihenhausprojekt weiter südlich zu schaffen. Nachdem sich Hauseigentümer und Wohnungsbaugesellschaft bereits über einen Austausch des teilweise mit Bauschutt und weiteren Rückständen vermengten Mutterbodens rund um die Häuser verständigt hatten, gibt es nun wieder Klagen. Neue Gutachten haben ergeben, dass auch das Material, mit dem die Fundamente umgeben sind, belastet ist. Derzeit geht auf der gesamten Baustelle nichts mehr, ärgert sich der Sprecher der Hauseigentümer, Helmut Müller-Enbergs. "Die zuständige Baufirma, die IKEA-Tochter NCC, konnte sich bisher noch nicht entschließen, den kontaminierten Bauschutt wieder zu entfernen." Siebzig Familien, die bereits in den Doppel- und Reihenhäusern wohnen, sind von dem Problem betroffen. Zwischen den meisten Häusern des ersten Bauabschnitts tun sich derzeit sandige Gruben auf. Zu allem Überfluss sind laut Müller-Enbergs auch die Bitumenschichten an den Außenwänden der Kellergeschosse zu dünn aufgetragen worden.

Sorgen um das gesamte städtebauliche Konzept für diesen Bereich plagen vor diesem Hintergrund mittlerweile auch den zuständigen Stadtrat für Bauen, Stadtplanung und Naturschutz, Ralf Körner (CDU). Denn zwischenzeitliche Versuche, die Bavaria zur Investition in den denkmalgeschützten Telefunkenkomplex zu bewegen, sind laut Körner unwiderruflich gescheitert. "Die Bavaria ist dazu derzeit nicht in der Lage", so Körner wörtlich. Und der ebenfalls mit den Immobilienproblemen in Lichtenrade befasste Wirtschaftsstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD) gibt zu bedenken, dass die Telefunkengebäude immerhin unter Denkmalschutz stehen, großartige Anbauten und äußerliche Veränderungen also nicht möglich sind. Investitionsfördernd ist das nicht.

Von verunsicherten Kunden berichten inzwischen sogar die Mitarbeiter benachbarter Immobilienprojekte, die gar nicht auf dem ehemaligen McNair Gelände angesiedelt sind, wie das im Entstehen begriffene Schweizer Viertel weiter nördlich an der Görtzallee Ecke Altdorfer Straße. "Wir erleben, dass die Kunden zunehmend genau wissen wollen, für was sie ihr Geld ausgeben und Garantien wünschen", erklärt Gabriele Cocozza von der Entwicklungsgesellschaft Haberent, die rund dreißig Prozent der Wohnungen und Häuser auf dem weitläufigen, zu Mauerzeiten ebenfalls militärisch genutzten Gelände errichtet. Doch man habe sich mit Überprüfungen der Böden vor Ort bestens vorbereitet und biete jedem Interessenten gerne Zertifikate, dass er gänzlich unbelastet sei.

Diese Garantien betont auch Thomas Grafe von der Wohnungsbaugesellschaft GAGFA, die rund siebzig Prozent des Schweizer Viertels bebaut. Offenbar sind allerdings noch nicht sämtliche Versuche, dem einst vollmundig angepriesenen Projekt "Loftland" auf dem Telefunkengelände noch einmal Leben einzuhauchen, ausgereizt. Zumindest weist Baustadtrat Körner darauf hin, dass ein Insolvenzverfahren ja noch nicht das Aus sämtlicher Projekte bedeutet, sondern zunächst, dass "die Finanzen der Rentaco geordnet würden". Es bleibe erst einmal abzuwarten, was dabei herauskomme, so Körner. Grundsätzlich hält der Baustadtrat das Konzept der Loft-Anlage im grünen Süden unter anderem aufgrund der guten Verkehrsanbindung für weiterhin interessant. Und der einstige Geschäftsführer der Rentaco, Günter Hartwig, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, er führe derzeit Verhandlungen mit einem neuen Großinvestor und rechne fest damit, dass das Projekt noch in diesem Jahr wieder aufgenommen werden könne.

Für die Insolvenz der Immobilienfirma Rentaco, so Hartwig, sei ja auch nicht das Projekt Loftland verantwortlich. Der Grund seien vielmehr Verzögerungen bei der Belegungen der deutschlandweiten Seniorenresidenzen gewesen. Der so entstandene Kapitalbedarf sei dann von der in die Krise geratenen Berliner Landesbank nicht mehr gedeckt worden.

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