Berlin : Lichterkette für Berlin-Touristen

Die Autobahn zum Flughafen Schönefeld soll angestrahlt werden – die Avus bleibt im Dunkeln

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Vor rund zehn Jahren war es „ein Luxus, den sich Berlin nicht mehr leisten kann“. Heute ist es ein „schönes Entrée“, das einer Weltstadt gut zu Gesicht steht. Bei der Beleuchtung der Berliner Autobahnen zeichnet sich ein Sinneswandel ab. 1997 wurde den Lampen an der Avus der Strom abgedreht, um Geld und Energie zu sparen. Jetzt wird darüber diskutiert, eine Autobahn wieder anzustrahlen – die A 113 zum Flughafen Schönefeld.

„Wir können uns vorstellen, an den Anschlussstellen und unmittelbar am Flughafen zu beleuchten“, sagt Manuela Damianakis von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Die Besucher, die vom hell erleuchteten Flughafenterminal kommen, sollen dahinter nicht in ein dunkles Loch fallen.“ Geprüft werde auch eine Beleuchtung der gesamten Autobahn. An den Kosten im einstelligen Millionenbereich müssten sich der Bund und das Land Brandenburg beteiligen.

Als die Avus abgeschaltet wurde, sank die städtische Energierechnung nur um rund 100 000 Euro. Wichtiger als der Spareffekt war das deutliche Signal nach außen und innen: Der Senat macht Schluss mit der Verschwendung von Haushaltsmitteln, die er gar nicht hat.

Eine Abkehr von der bisherigen Politik der Energieeinsparung will Damianakis aber nicht erkennen. „Die Idee kommt vom Aufsichtsrat der Flughafen-GmbH. Wir sind gebeten worden, das zu prüfen.“ Eine Rückkehr zur Avus-Beleuchtung stehe nicht zur Debatte. Dort gebe es auch nicht das Problem eines „dunklen Lochs“. Einreisende auf der Avus haben in der Regel schon Hunderte von Kilometern Dunkelheit hinter sich.

Claudia Hämmerling von den Grünen findet die Idee einer Autobahnbeleuchtung „absurd, ja geradezu surreal“. Bei den vielen Einsparungen im sozialen Bereich sei das den Berlinern nicht zu vermitteln. Auch die CDU hält nicht viel davon. „Die finanziellen Rahmenbedingungen haben sich seit 1997 nicht geändert“, sagt Uwe Goetze, umweltpolitischer Sprecher. Wenn man den Berlin-Gästen eine hell strahlende Metropole präsentieren möchte, müsse das konsequenterweise in der ganzen Stadt umgesetzt werden. „Die Laternen sind doch überall heruntergedimmt.“ Nicht mal Jörg Becker vom ADAC Berlin-Brandenburg kann sich für eine helle Autobahn erwärmen. „Das Geld sollte man lieber in die Instandhaltung der Straßen investieren.“ loy

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