Berlin : Liebe auf den zweiten Schnitt

Gut in der Theorie, praktisch eine Niete? Gott sei Dank gibt es Do-it-yourself-Kurse–auch für Frauen mit Halbwissen

Susanne Leimstoll

In der Theorie bin ich gut. Ich stehe gerne neben Handwerkern und gebe dem Profi Tipps, was er beim Dübeln falsch macht. Ich sage dem Maler, warum sein Türanstrich bald Risse bekommt und dem Bodenleger, weshalb Klick-Parkett auf meinem unebenen Boden nicht geht. Ich verfüge über ein solides Halbwissen. Mein Vater hat mich in meiner Jugend gegen meinen Willen Monate lang zum Ausbau einer Kellerbar herangezogen. Ich gucke zwanghaft Do-it-yourself-Sendungen. Aber mein Schlagbohrer liegt seit fünf Jahren original verpackt im Keller. Denn Heimwerken schmutzt. Und ich traue mich nicht, Löcher zu bohren. Das wiederum ist peinlich.

Hanna Mauermann, Trainerin der Deutschen Heimwerker Akademie, hat einen Kurs für hilflose Frauen mit großer Klappe. Sie packt für mich gefährliche Maschinen auf die Werkbank: Kreissäge, Elektrohobel, Schwingschleifer. Mit ihren Arbeitstherapeutinnen-Fingern macht sie unerschrocken an der Stichsäge herum. Sie sagt: „Nie in Hektik arbeiten. Ordnung auf der Arbeitsfläche schaffen. Und wenn man mit der Maschine hantiert, aufpassen, dass nicht grade der Wellensittich durchfliegt.“

Lektion 1: Bögen in eine MDF-Platte sägen. „Schutzbrille aufsetzen, es staubt“, sagt die Trainerin. Ich sehe professionell aus – und die Stichsäge geht durchs Holz wie Butter. Wen interessiert schon, dass der 350-Watt-Motor eine Geschwindigkeit von 3000 Hüben pro Minute erreicht. Meine Schlangenlinie wird perfekt. Jetzt die Kreissäge. „Ohrenschutz aufsetzen“, sagt Hanna Mauermann. Das nimmt 27 Prozent der Lautstärke. Kabel hinter die Maschine, Sägeblatt nicht verkanten. Meine gerade Linie macht einen Bogen. Noch ein Versuch, noch einer. „Vorher nachsehen, ob Schrauben im Holz sind. Wenn ein Sägezahn abbricht und durch die Luft saust, kann er eine Stirn durchschlagen.“ Wir hatten gerade begonnen, uns anzufreunden, die Säge und ich.

Ich lerne, den Zehner-Bohrer ins Futter der Maschine zu spannen („fest anziehen, sonst fliegt er einem um die Ohren“), was Holz- und Steinbohrer unterscheidet und warum ein Werkstück eine Unterlage braucht: Damit das Bohrloch nicht ausfranst. Der elektrische Hobel bleibt mir suspekt („keinesfalls unten hinfassen, da ist die Handfläche weg“). Er hobelt Dellen ins Weichholz, die ich nicht haben will. Der Exzenterschleifer geht erst mal mit meiner Hand durch. „Nicht so draufdrücken“, sagt die Trainerin . Jetzt wird der Fichtenholzblock streichelglatt. Toll. Mein Werk.

Beim Weg durch den Baumarkt entdecke ich die Weltneuheit unter den Bohrmaschinen: die PSB 1000 RCA mit eingebautem Staubsauger – genial. Und erst der klitzekleine Akku-Schrauber – nicht größer als eine, sagen wir, Damenpistole. Wie süß. Den will ich haben.

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