Berlin : Liebe deinen Kiez

Per Broschüre wollen Quartiersmanager das Neuköllner Reuterviertel bekannt machen

Constance Frey

„I love Reuterkiez“ steht auf dem Sticker im Schaufenster des Quartiersmanagements Reuterplatz. I love...was genau eigentlich? „Touristisch ist die Gegend eine völlige Brachlandschaft“, sagt Quartiersleiterin Ilse Wolter. Niemand weiß so recht, was im Rechteck zwischen Maybachufer, Kottbusser Damm, Sonnenallee und Weichselstraße sehenswert ist, nicht einmal die Hotelbranche. „Wir haben eine Umfrage bei Neuköllner Hotelrezeptionisten durchgeführt. Das erschreckende Ergebnis: Sie wussten nichts über das Viertel“, sagt Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Das soll sich ändern. Mit einem Informationsflyer und einer 100seitigen Broschüre über die Geschichte des Viertels nimmt sich das Management gleich zwei Zielgruppen vor: Bewohner und Touristen. „Wir wollen, dass die Menschen sich mit ihrem Viertel identifizieren,“ sagt Axel Dörrie, der sich mit Ilse Wolters das Büro in der Neuköllner Hobrechtstraße teilt. Damit das schon früh beginnt, werden auch Schulen mit Exemplaren versorgt. Ansonsten liegt die Gratisbroschüre in der Hobrechtstraße 59 aus. Für den Flyer „Eine Ecke Neukölln... das Reuterquartier entdecken!“ hat der Bezirk Unterstützung und Rat bei ansässigen Firmen gesucht. Die Reederei Riedel wird das Faltblatt an Touristen verteilen, die an ihrer Anlegestelle von Bord gehen. Der Flyer mit Hinweisen auf markante Gebäude und einige Lokale und Geschäfte soll auch in Hotels ausliegen. Auf Initiative des Bezirks können Rezeptionisten seit neustem an Informationsfahrten über Neukölln teilnehmen. Geplant ist auch eine zentrale Anlaufstelle für Stadtführungen.

Ursula Bach und Cornelia Hüge haben bisher sporadisch Führungen für das Heimatmuseum Neukölln übernommen. Für die Broschüre „Wo Neukölln auf Kreuzberg trifft, das Reuterquartier im Wandel“ durchsuchten sie Archive und interviewten 50 Neuköllner zur Geschichte ihres Viertels. Die stellten zum Teil eigene Bilder zu Verfügung. Der Band mit schwarz-weißen Illustrationen erzählt die Geschichte des Viertels mit Innenaufnahmen aus Wohnhäusern, ein wenig Industriegeschichte und Bildern von Lokalen aus den sechziger Jahren. „Ich habe mit Begeisterung Stätten meiner jugendlichen Untaten wiederentdeckt“, sagt Heinz Buschkowsky. Auch er hat über die Arbeit für die Broschüre etwas dazu gelernt: Das Ballhaus Rixdorf am Kottbusser Damm hatte er noch nie gesehen.

Wenn Mitte des Jahres die Fördergelder von EU, Bund und Land feststehen, werden die Arbeiten für die Umgestaltung des Maybachufers fortgesetzt. Und noch in diesem Jahr sollen die Renovierungsarbeiten am Reuterplatz beginnen.

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