Berlin : Liebe im Land der Pharaonen

Superstar Elton John übersetzt Verdi in Pop: „Aida“ kommt als Musical ans Theater des Westens

Matthias Oloew

Radames ist außer Atem. Gerade ist er dem voll mit nubischen Sklaven beladenen Schiff entstiegen, hat sein Solo „Wer viel wagt, der gewinnt“ geschmettert und steht nun im Angesicht dreier Kolossalstatuen ägyptischer Götter Aida gegenüber, in die er sich unsterblich verliebt. Guiseppe Verdi hat die Liebesgeschichte zwischen dem ägyptischen Heerführer und der nubischen Prinzessin zu einer der beliebtesten Opern weltweit gemacht und Elton John zusammen mit dem Texter Tim Rice im Auftrag des Disney-Konzerns zu einem gefeierten und ausgezeichneten Musical, das im August nach Berlin kommt.

Weil das Musical mit einer Szene in einem ägyptischen Museum beginnt und endet und weil gerade die Ausstellung „Ägyptens versunkene Schätze“ im Martin-Gropius-Bau läuft, haben die Verantwortlichen im Theater des Westens die Chance genutzt, um vor der Kulisse der Kolossalstatuen in der Ausstellung eindrucksvoll Werbung für „Aida“ zu machen. Das ist offenbar nötig. Denn Verdis „Aida“ ist in Berlin deutlich bekannter als die von Elton John. Kein Wunder: Es ist das erste Musical des für seine Pop- Songs geadelten Briten, das in Berlin zu sehen ist.

„Aida“ löst die „Drei Musketiere“ ab, die nach gut anderthalb Jahren Spielzeit und geschätzt 300 000 Besuchern von Berlin nach Stuttgart wechseln. Aber das Liebesdrama im antiken Ägypten ist für das Haus an der Kantstraße nur eine Zwischenlösung. Zum Jahresende soll im Theater des Westens der „Tanz der Vampire“ Premiere haben. Wieder keine rauschende Deutschland- oder Europapremiere für die Traditionsbühne, schließlich lief das Stück unter anderem in Hamburg, aber Jan-Pelgrom de Haas, neuer Geschäftsführer der Stage Entertainment – und damit Hausherr im Theater des Westens –, sieht für das Haus und für den Musical-Standort Berlin noch Potenzial: Im Sommer will er verraten, ob und wo sich die vom reinen Musical- zum Entertainmentkonzern sich wandelnde Stage-Entertainment ein weiteres Standbein in Berlin zulegt. Bisher gehört das Theater am Potsdamer Platz („Blue Man Group“), das Theater des Westens und auch das Schloßpark-Theater dazu.

Für das Haus in Steglitz sieht es allerdings nicht so gut aus. Die derzeit dort laufende Musical-Produktion „Non(n)sens“ (letzte Aufführungen Donnerstag bis Sonntag) ist die vorerst letzte Produktion. Im Sommer wird das Haus für die Produktion einer Tanz- und Casting-Show vermietet, danach wird es Gastspiele geben. Geplant ist, im Haus 2007 wieder eigene Musical-Produktionen zu zeigen, spruchreife Pläne gibt es aber noch nicht. Auch nicht, was die Zukunft des Intendanten Andreas Gergen angeht: „Ich möchte auf keinen Fall Chef eines Gastspielhauses sein“, sagt er und will sich auf die Produktion von Off-Broadway-Adaptionen wie „Pinkelstadt“ konzentrieren. Ob die dann auch wieder im Schloßpark-Theater Premiere haben werden, ist ebenso unklar. Stage-Chef de Haas macht jedenfalls aus seiner abwartenden Haltung gegenüber dem Steglitzer Haus keinen Hehl. Kleine Produktionen und kleine Häuser gehören nicht zur Kern-Kompetenz der Stage.

Wohl aber aufwändige Musical-Tourneeproduktionen, wie „Aida“. Technik und Kostüme brauchen 17 Lkw. Auf fünf Millionen Euro beziffert de Haas die Produktionskosten für das Stück, eineinhalb Jahre braucht er, um die Kosten wieder einzuspielen. Die Berliner Station soll dazu einen guten Teil beitragen.

„Aida“, ab 5. August im Theater des Westens, Kartentelefon: (01805) 4444

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