Berlin : Liebe ohne Grenzen

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Von Maren Sauer

Den Fall der Mauer im November 1989 hatte Stefan Koser, der Stuttgarter, nur am Fernseher verfolgt. Den ersten gesamtdeutschen Jahreswechsel wollte er deshalb unbedingt in Berlin erleben. Madeleine Degele, die Ost-Berlinerin, hatte an diesem Tag ganz andere Pläne. Eigentlich hätten sie sich gar nicht begegnen dürfen.

Silvesterabend im Klubhaus des Rudervereins. Irgendwie erschien es Madeleine nun doch unangemessen, das Jahr 1990 mit den immergleichen Leuten zu begrüßen. „Als wir hörten, dass es am Pariser Platz Freisekt gibt, haben wir drei Gläser geschnappt und uns auf den Weg gemacht", erinnert sich die 31-Jährige.

Kurz nach zehn war es, als sich der Student aus dem Westen und die Abiturientin aus dem Osten samt Freunden in der jubelnden Menge begegneten – „drei Mädels mit Gläsern, aber ohne Sekt, und drei Jungs mit Sekt, aber ohne Gläser." Stefan war so schön groß, Madeleine mag große Männer. Am nächsten Morgen unternahmen sie eine Tour durch Ost-Berlin. Dann fuhr Stefan nach Stuttgart zurück. Sie schrieben sich, getrennt durch Hunderte Kilometer.

Madeleine erzählte vom Abi-Stress, Stefan vom Studium, bis Madeleine im Februar den Geburtstag einer in Stuttgart lebenden Tante nutzte, um Stefan wiederzusehen. Ostern wiederum stand er völlig überraschend vor ihrer Tür. Sie gingen essen – und Stefan musste zum ersten Mal in Madeleines Stammpizzeria eine mit Leber gefüllte Calzone essen. So verzichtbar ihm dieses Erlebnis im Nachhinein erscheint, so gern denkt er an die Anfänge des ganz persönlichen West-Ost-Zusammenwachsens zurück: „Das war total spannend, weil es ja nicht nur um eine Beziehung ging, sondern auch darum, eine völlig andere Welt kennen zu lernen."

1992 zog er nach Berlin, 1993 mit ihr zusammen, und am 7. Juni schließlich machte er ihr den Antrag: „Beim letzten Lied des Vonda-Shepard-Konzerts hab’ ich mir ein Herz gefasst und Madeleine gefragt, ob sie meine Frau werden will." Drei Monate später gaben sich die Verwaltungsrichterin und der Informatiker im Potsdamer Krongut Bornstedt das Jawort. „Eigentlich", sagen beide, „hätten wir das auch schon vor zehn Jahren machen können."

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