Berlin : Lieben und leiden im Bötzowviertel Schauspieler Axel Prahl präsentiert sein Album

Alexander Budweg
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Musik hat er immer schon gemacht. Mit einer eigenen CD wollte sich Axel Prahl, 51, aber eigentlich nicht in die Riege der singenden Schauspieler einreihen. Jetzt hat er es doch gemacht: Am Freitagabend stellt der „Tatort“-Kommissar sein Debütalbum „Blick aufs Mehr“ im Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße vor. Ein Heimspiel, denn Prahl wurde zwar im holsteinischen Eutin geboren, lebt seit fast 20 Jahren aber in Berlin und kann auch berlinern. „Mein leiblicher Vater ist hier geboren, so dass mir Berlin ein Stück weit im Blut steckt“, sagt er. Doch trotz aller Liebe, über manches in Berlin kann sich Prahl so richtig ärgern.

1992 ist er in die Stadt gezogen. „Damals war Prenzlauer Berg noch eine Mischung aus Arbeiterviertel und dem heutigen Friedrichshain“, sagt er.  „Davon ist leider nicht viel übrig geblieben.“ Wenn Prahl heute aus seiner Haustür im Bötzowviertel geht, stört ihn vor allem der Modernisierungswahn. Außerdem werde mehr und mehr Subkultur „plattgemacht“, vor einem Jahr etwa der Knaack-Club. Oder das Tacheles, auch wenn das nicht in seinem Bezirk liegt. Einmal in Rage, legt Prahl richtig los: „Nachts um zwei Uhr noch einen Döner in Prenzlauer Berg zu finden, ist unmöglich geworden. Selbst der Späti macht um 0 Uhr schon zu, weil ihm das Publikum fehlt.“ Der Familienvater Prahl muss allerdings nicht immer Trubel um sich herum haben, sonst hätte er 2007 nicht einen Bauernhof in Marienwerder gekauft, 50 Kilometer nördlich von Berlin gelegen.

Schuld an dieser Entwicklung sei die Stadt selbst, die mehr und mehr finanzkräftige Investoren anziehe. Großprojekte wie Mediaspree oder die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 – „von der zumindest mein Taxifahrer meint, sie wäre eine gute Sache“ – würden sich daher kaum noch verhindern lassen. „Am Ende siegt Finanzkultur über Subkultur“, glaubt Prahl.

Recht abgeklärt wirkt nicht nur sein Blick in die Zukunft, sondern auch so mancher Titel auf seiner CD. Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Chansons, Blues und Pop. Thematisch geht es ums Leben und um vergangene Lieben. Also „ums Suchen, Finden und Verwerfen“, wie er es nennt. Ein wenig Sozialkritik und Politikerschelte findet dabei aber auch ihren Platz. Alexander Budweg

19 Uhr, Kulturkaufhaus Dussmann, Eintritt frei, www.kulturkaufhaus.de

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