Berlin : Lieber eine neue Hose

Im Einzelhandel hat das Nachweihnachtsgeschäft begonnen Das lief gut an – dank Gutscheinen, Geldgeschenken und Shoppingtouristen.

Vor der Bescherung.
Vor der Bescherung.

„Das Geld war eigentlich für den Motorradführerschein gedacht“, sagt Hannes. Die Großmutter hatte es ihm, zusammen mit Süßigkeiten, zu Weihnachten geschenkt. Aber jetzt steht der 16-Jährige im Shoppingcenter Alexa und hat sich eine neue Hose gekauft. Und seine Freundin Josi, die direkt mit einem H&M-Gutschein bedacht wurde, steht nun mit einem Pullover da.

Nicht nur vor den Feiertagen brummt der Einzelhandel – „auch das Nachweihnachtsgeschäft ist für uns eine große Chance“, sagt Günter Päts, Vize-Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Berlin-Brandenburg. Unmittelbar nach den Feiertagen lösen viele Kunden Gutscheine ein oder geben Geldgeschenke aus. Umgetauscht werde dagegen nur wenig: Nur zwei bis drei Prozent der Waren würden zurückgebracht, sagt Päts.

Auch im KaDeWe lief das Geschäft am Donnerstag schon wieder fast so gut wie vor dem Fest. Es gebe zwar Kunden, die Romane zurückgeben, sagte eine Verkäuferin der Buchabteilung. Aber viel mehr würden nun all jene Titel gekauft, die dann doch nicht unter dem Weihnachtsbaum lagen. Am häufigsten sei der Fesselroman „Shades of Grey“ getauscht worden – aber nur, weil ihn die meisten Kunden schon längst hätten, sagte die Verkäuferin.

Viel mehr als mit Umtausch beschäftigten sich im KaDeWe die Kunden bereits wieder mit Neukauf. Eine Kundin schleppte Ritterburg und Piratenschiff für die beiden Neffen nach draußen. „Noch eine offene Weihnachtsbestellung“, sagte sie. Und auch der zwölfjährige Cüneyt stöberte schon nach neuen Spielsachen. Er habe eine Uhr und Konsolenspiele bekommen, erzählt Cüneyt, aber auch Geld. Das will er nun ausgeben, um sich mit Sammelkarten und weiteren Spielen einzudecken. „Kurz nach den Feiertagen ist alles viel billiger“, sagt er. Danach will er noch zum Elektronikmarkt, um nachzuschauen, ob sich nicht noch ein Konsolenspiel findet, das der Weihnachtsmann vergessen hat.

Neben den Nachweihnachtskunden werde Berlin derzeit zusätzlich stark von „Shoppingtouristen“ besucht, sagt Günter Päts vom Handelsverband. Gerade zu Silvester zöge Berlin Besucher aus aller Welt an. Und die nutzen dann die Zeit auch zum Einkauf: „Ein Aushängeschild wie das KaDeWe macht 50 Prozent seines Umsatzes mit Touristen.“

Zu diesen gehört auch der 15-jährige Alexej. Zusammen mit seinem Vater ist er auf der Suche nach dem passenden Geschenk für seinen gleichaltrigen Cousin. In Russland, Alexejs Heimat, ist mit dem 24. Dezember die Geschenkesuche noch nicht vorbei – man beschenkt sich traditionell an Silvester. Ob er Berlin mit einem ferngesteuerten Sportflitzer oder einem „Star Wars“-Raumschiff verlassen wird, weiß er noch nicht.

Auch der Handelsverband lässt sich Zeit mit der Bescherungsbilanz. Erst Ende Januar wolle man ein Fazit ziehen. Ein Umsatzeinbruch sei laut Günter Päts aber nicht zu erwarten. jmm/mrc

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