Berlin : Lieber Klasse statt Masse

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Die Fuckparade (früher Hateparade) findet immer am selben Tag wie die Love Parade statt. Der „politische Gegenentwurf“ entstand vor fünf Jahren. Die Fuckparade tritt nach Eigendefinition „für eine veränderte Politik in der Stadtentwicklung und im Umgang mit kulturellen Minderheiten“ ein. Für die Organisatoren ist die politische Artikulation und die Wahrnehmung der Demonstrationsfreiheit wichtig –ein formeller Gegensatz zur Love Parade, die offiziell als Straßenfest gilt. Am Mittwoch entschied die Versammlungsbehörde, dass die Fuckparade ihren Demonstrationszug mit drei Wagen soundmäßig beschallen darf. Ein Teilerfolg: Im vergangenen Jahr mussten die Fuckparader gänzlich auf Musik verzichten. Martin Kliehm alias DJ Trauma XP ist der Sprecher der Fuckparade.

Dieses Jahr dürfen Sie demonstrieren und sogar Musik spielen. Sind Sie glücklich?

Nicht wirklich. Es war ein Kompromiss mit der Versammlungsbehörde. Die Fuckparade ist als politische Demonstration angemeldet und für die Behörden besteht eine politische Demo immer noch zuerst aus Redebeiträgen und Transparenten und nicht aus Musik. Die Behörden haben nicht begriffen, dass sich die Demokultur in den letzten 30 Jahren gewandelt hat.

Taugt die Love Parade noch als Feindbild?

Überhaupt nicht. Höchstens noch für die Beschützer des Tiergartens. Die Kritik an der Love Parade hat sich erübrigt. Heute ist die Love Parade ein kommerzielles Straßenfest und erhebt nicht mehr den Anspruch auf eine politische Demo. Aber unsere ureigenen Themen, die Stadtentwicklung, der Umgang mit Minderheiten, sind immer noch da.

Wie viele Teilnehmer werden zur Fuckparade kommen?

Das lässt sich nicht abschätzen, weil es ja bis vor kurzem noch hieß, wir dürften keine Musik auf unseren Wagen spielen. Mir jedenfalls sind 500 Leute, die ernsthaft für politische Anliegen stehen, lieber als 50000, die nur Party feiern wollen.

Wird es angesichts der bürokratischen Hürden und der Entwicklung der Love Parade 2003 noch eine Fuckparade geben?

Alles ist möglich. Es wäre denkbar, dass wir die Fuckparade nächstes Jahr an einem anderen Wochenende als die Love Parade veranstalten. Aber auch eine Pause ist möglich.

Das Gespräch führte Klaus Stimeder

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