Berlin : Lieber planen

Bernd Matthies

über wunderbare Glasdächer und ihre Tücken Es gib t immer wieder Grund, die Lässigkeit und Eleganz unserer Architekten und ihrer Arbeit zu bewundern. Zack, zeichnen sie einen Entwurf in die Luft, der die Kollegen vor Staunen die Luft anhalten lässt, und zisch, läuft der Bauherr den Bankern hinterher, damit sie ihm das Geld für die Realisierung des schönen Plans besorgen. Alle wollen sie in die Baugeschichte einziehen, und zwar schnell.

Das ist den Beteiligten nun auch mit den so adrett verglasten Berliner Superbahnhöfen gelungen, nur leider anders, als sie dachten. Jahrelang hat eine Spezialfirma jetzt an einem System getüftelt, das es erlaubt, im Bahnhof Spandau schlicht die Scheiben zu putzen. 700 000 Euro für eine Kleinigkeit, die ein Planer offenbar, ups, vergessen hat. Ach, fragen da Eingeweihte und zeigen auf das ja noch bedeutend gewaltigere Dach des Hauptbahnhofs, da kann das Roboterding doch sicher auch mal putzen gehen, nicht wahr?

Kann es aber nicht. Wir lernen daraus: Architekten sind für die schönen Pläne zuständig; wie man ihre Werke sauber kriegt, interessiert sie weniger. Vermutlich liegt es daran, dass sie auch zu Hause lieber planen als putzen. (Seite 10)

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