Berlin : Liebesdienste

Erst Berlinale, dann „Wetten, dass…?“: Will Smith wirbt für seine neue Komödie

Andreas Conrad

Das ist ungerecht, eine eklatante Benachteiligung männlicher Journalisten! Unlängst war schon Dustin Hoffman beim Interview in Berlin einer Pressefrau zu Demonstrationszwecken um den Hals gefallen, und gestern Will Smith bei der Pressekonferenz im Hyatt: Springt, befragt nach seinen Küssen in „Hitch“, kurzerhand auf, eilt vom Podium zu der wissbegierigen Reporterin und knutscht sie hemmungslos ab. Ist das Männern schon mal passiert? Sind Julia Roberts, Nicole Kidman, Jennifer Lopez je vor aller Augen mit Zärtlichkeiten über einen von uns hergefallen? Wo bleibt die Chancengleichheit?

Klar, Will Smith und Filmpartnerin Eva Mendes sind auf der Pressekonferenz demonstrativ zärtlich geworden, ebenso Kollege Kevin James und seine Amber Valletta. Aber das war ja mehr professionell, eine Fortsetzung der Kusskomödie in der Berliner Wirklichkeit. Das gilt nicht.

Obwohl, Pressekonferenz ist nicht das rechte Wort für diese Veranstaltung am frühen Freitagabend. Gewiss, es gab einige ernsthafte Fragen zu „Hitch“ und gelegentlich sogar entsprechende Antworten. Aber mehr war es eine Fingerübung in der Sitcom-Kunst, hoch geeignet, den schon in den USA sehr erfolgreichen Film auch hier voranzutreiben – mit einer Ausstrahlung bis in die Potsdamer Straße, die wegen des Fanrummels vorübergehend gesperrt wurde.

Mit vielen „Heyyys“ und „Huuus“ von Will Smith, Kusshänden auch in die Menge, hatte der Termin begonnen, er muss das wohl genießen. Klar, dass dann gleich die Frage kam, ob er wohl gerne einen „Date Doctor“ wie Hitch gehabt hätte. Logisch auch, dass er das bejahte – und gleich eine desaströse Highschool-Erfahrung mit einem unerreichbaren Girl hinterherschob. Erfolgreich bei einer Frau war er angeblich erst mit 24, und dann hat er so schnell wie möglich geheiratet. Sagt er jedenfalls. Und seine Goldene Regel, um eine Frau beim ersten Date zu beeindrucken? „Kompetent erscheinen.“

Auch Stars hatten also ihre Probleme mit dem anderen Geschlecht. Kevin James, bislang TV-Komödiant und mit seiner CBS-Serie „The King of Queens“ auch hierzulande populär, kann das nur bestätigen. Ob es so etwas wie Date Doctors gibt, weiß er nicht, aber er selbst hätte einen gebrauchen können. „Ich war nie gut darin“, hatte er am Nachmittag in kleiner Journalistenrunde im Ritz-Carlton verraten. Und auch, dass er die lebensentscheidende Verabredung mit einer Frau seiner Innenarchitektin in Los Angeles zu verdanken habe. Sie kenne da jemanden, die sei genau die Richtige für ihn, hatte sie gesagt und eine erste Begegnung arrangiert. Das war sogar ein Dinner, ganz ungewöhnlich in der amerikanischen Date-Kultur, wo eine Einladung zum Essen gleich zu Beginn als zu aufdringlich empfunden werde, berichtet James. Nun, in seinem Fall hat die Abweichung von der Regel nicht weiter gestört. Er hat die Frau gekriegt, und es war tatsächlich die richtige.

Das alles kann er heute gleich noch mal erzählen, und vielleicht fällt Will Smith sogar Jennifer Lopez um den Hals – bei Thomas Gottschalks „Wetten, dass…?“ in Erfurt. Von dem hatte Kevin James nie zuvor gehört.

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