Berlin : Liebesgrüße aus Bombay

Indische Bollywood-Filme sind weltweit erfolgreich – jetzt kommen die Shows

Sebastian Leber

Die hübsche Ayesha ist ganz schön mutig. Heiratet ihren Schwarm Uday, ohne den jungen Mann ein einziges Mal geküsst zu haben. Sind ihr Körperlichkeiten vielleicht nicht so wichtig?

So ist das in der Bollywood-Welt: Geheiratet wird gerne und viel, geküsst wird nie. Diese eiserne Regel gilt für die rund 800 Tanz-Spielfilme, die jedes Jahr in Indien entstehen, und selbstverständlich gilt sie auch für das Bühnenprogramm „Bollywood – The Show“, das kommenden Freitag im Admiralspalast Deutschlandpremiere hat. Das Stück versteht sich als ein „Best of“ von Bollywood: Die Kostüme der Schauspieler sind so knallbunt und exotisch wie in den Filmen, zu hören gibt es die Hits aus den bekanntesten Kinoproduktionen. Auch die Choreografie der Tänze, aus westlicher Sicht eine Mischung aus Bauchtanz und Skigymnastik, ist so, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Vor allem von RTL 2. Im November 2004 zeigte der Privatsender den international erfolgreichen Film „Kabhi Khushi Kabhie Gham“ – auf Deutsch: „In guten wie in schweren Tagen“. Eine Liebesgeschichte mit viel Tanz, Gesang und Heirat. Damit startete der Bollywood-Boom in Deutschland. Inzwischen bieten Tanzschulen spezielle Choreografie-Kurse an, manche Partys spielen nur indische Musik. Jetzt kommen die Bühnenprogramme: Erst „Bollywood – The Show“ im Admiralspalast, Anfang Januar dann die Tanznummer „Bharati“ im ICC.

Wer sich die Show im Palast ansieht, erfährt, dass die Bollywood-Industrie sehr viel älter ist als man denkt. Erzählt wird nicht nur die Romanze zwischen Ayesha und Uday, sondern auch die Geschichte des indischen Films. Gesprochen wird auf Englisch, gesungen teilweise auf Hindi. Wer beides nicht versteht, bekommt das Wichtigste trotzdem mit: Liebe, Heldentum, Pathos, Komik, Schrecken, Wut, Ekel, Wundersames und Friedvolles. Die neun „Rasas“, die Bestandteile jedes guten Bollywood-Films.

Vor Deutschland gastierte die Show bereits in Australien und der Schweiz. Die 50 Tänzer und Musiker stammen alle aus Bombay. Die Show sei „absolut authentisch“, sagt Arif Zakaria, der im Stück Ayeshas Großvater spielt. Mit authentisch meint er: dem Geschmack des indischen Filmpublikums entsprechend, nicht extra auf westliche Zuschauer-Bedürfnisse abgestimmt. Zakaria weiß aber auch, dass eine Produktion wie „Bollywood – The Show“ in seiner Heimat keinen Erfolg hätte – weil sich das dortige Publikum den Eintritt nicht leisten könnte. „Eine Kinokarte kostet in Indien zwei Dollar. Warum sollte da jemand viel Geld für eine Liveshow ausgeben?“ Mit dem europäischen Publikum hat das Team gute Erfahrungen gemacht. Bei der Europapremiere in Zürich vor zwei Wochen gab es Standing Ovations. Nur bei der Zugabe waren die Tänzer irritiert: Da versuchten sie, Zuschauer in den ersten Reihen zum Mittanzen zu animieren – ohne Erfolg. „Das sind kulturelle Unterschiede“, sagt Zakaria. „In Indien hätten alle mitgemacht.“ Vielleicht helfe es, in der Pause zur Auflockerung Alkohol auszuschenken, scherzt er. Aber nein, keine Angst: Im Admiralspalast soll es keine Aufforderungen zum Tanz mehr geben.

„Bollywood – The Show“ wird vom 6. bis 21. Oktober täglich außer montags im Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße aufgeführt. Am 5. Oktober gibt es eine Vorpremiere. Tickets ab 25 Euro unter Telefon 4799 7499, Informationen unter www.admiralspalast.de.

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