Berlin : Liebesgrüße aus Moskau für die Streikenden in Berlin

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Lisa aus den USA hat eigentlich selber genug Sorgen. Ihre Fabrik befindet sich in der Krise. Für ihre Geschäftsleitung Grund genug, in der kommenden Zeit Sieben-Tage-Wochen mit Überstunden anzukündigen, ohne dass die Arbeiter etwas dagegen unternehmen können. Aber über solchen Problemen vergisst Lisa, Mitglied bei der amerikanischen Gewerkschaft „United Automobile Workers“, nicht, an ihre „German brothers and sisters“ bei Daimler- Chrysler in Marienfelde zu denken und ihnen per E-Mail viel Erfolg beim Arbeitskampf zu wünschen. Eine typische Solidaritätsadresse, wie sie derzeit bei Betriebsräten und der IG Metall eingehen.

Solidarität ist in diesen Tagen ein viel bemühtes Wort. Vertreter anderer Gewerkschaften werden nicht müde, sie den Streikenden zu versichern. Belegschaften im Ausstand erhalten – zumeist verbale – Unterstützung von Beschäftigten der Tochter- oder Schwesterunternehmen eines Konzerns, andere Gewerkschaften schicken ihre Funktionäre vorbei, linke Splitterparteien, von denen man normalerweise nie etwas hört, tauchen auf einmal vor den Werkstoren auf.

Manchmal kann man sich wundern, in welche Ecke der Welt die Kunde vom Metaller-Streik in Deutschland gelangt. Nach Sao Bernardo, Brasilien, etwa. Im dortigen Daimler-Chrysler-Werk haben die Beschäftigten aus Solidarität mit ihren deutschen Kollegen an einem Tag eine halbe Stunde später die Arbeit aufgenommen. Und Valter Sanches von der dortigen Belegschaft sichert zu, dass an dem brasilianischen Standort keine Extra-Produktionen von Motoren und Achsen übernommen werden, um Ausfälle in Deutschland auszugleichen. Aktionen soll es auch in den brasilianischen Werken Juiz de Fora und Campinas gegeben haben.

„Liebe Freunde, Ihr solltet wissen, dass wir in Eurem Kampf neben Euch sind, und wir wünschen Euch in Eurem Kampf noch einmal viel Erfolg“, lässt das Deutschlandkomitee der Auslandsorganisation der Arbeiterkommunistischen Partei Irans die Arbeitskämpfer der IG Metall wissen. „Nun verfolgen die Arbeiter im Iran die Nachricht von Ihrem Streik und Kampf mit großer Begeisterung und Interesse.“ Grüße kamen auch von Metall- und Automobil-Gewerkschaften in Argentinien, Spanien, Schweden, Russland, Frankreich und Pakistan.

Auf nationaler Ebene melden sich unter anderem Schülervertretungen, Juso-Landesverbände und die Berliner DKP zu Worte. In einem offenen Brief erklärt der „Runde Tisch der Erwerbslosenverbände und Sozialhilfeinitiativen: „Wir stehen hinter Euren Tarifforderungen und sehen diese eher als Mindestforderungen.“ Man wolle der Öffentlichkeit und den Unternehmen deutlich machen: „Gewerkschaften und Erwerbslosenbewegung lassen sich nicht gegeneinander ausspielen.“ Sigrid Kneist

Solidaritätsadressen im Internet:

www.igmetall.de

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