Liegenschaftsfonds : Steglitzer Kreisel wieder im Angebot

Der Liegenschaftsfonds will den Steglitzer Kreisel verkaufen. Dennoch erwägt der Berliner Senat, 30 Millionen Euro in das Hochhaus zu investieren.

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Ladenhüter. Der Steglitzer Kreisel gilt als schwer verkäuflich. -Foto: T. Rückeis

Der Liegenschaftsfonds sucht einen Käufer für den Steglitzer Kreisel und will das Hochhaus im März auf der internationalen Immobilienmesse im französischen Cannes anbieten. Um die Verkaufschancen zu verbessern, möchte man dem Investor ein asbestsaniertes Haus anbieten. Diese Option wird bei der Senatsfinanzverwaltung diskutiert, könnte das Land aber über 30 Millionen Euro kosten. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

„Zurzeit kostet uns der Betrieb des leer stehenden Hauses eine Million Euro im Jahr“, sagte Christian Sundermann, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Finanzen. Der Geschäftsführer des landeseigenen Liegenschaftsfonds Berlin Holger Lippmann sagte, dass es „mehrere Kaufinteressenten“ für das 119 Meter hohe Gebäude gebe. Bisher waren allerdings alle Versuche, einen Käufer für die Immobilie zu finden, gescheitert. Und der Berliner Markt für Immobilien steckt zurzeit in der Krise. Allenfalls ein Umbau zu einem Apartment-Haus wäre Branchenkennern zufolge zu erwägen, weil Wohnimmobilien gefragt sind. Doch das ist wegen der Konstruktion des Turmes schwierig und deshalb teuer.

Allerdings drängt auch der Eigentümer des Sockels, auf dem das Hochhaus steht, die Firma Becker & Kries, auf eine Sanierung des Turmes. Geschäftsführer Christian Kube sagte: „Wenn man nichts tut, muss man mit weiteren Schäden rechnen.“ Weil das Land das Gebäude seit Jahren leer stehen lässt, zog das Bauunternehmen vor Gericht, um den Senat zum Handeln zu zwingen. Seitdem Finanzsenator Ulrich Nußbaum den Fall zur Chefsache gemacht hat, ruht das Verfahren.

Der Fall ist verzwickt: Denn auch ein Abriss des Steglitzer Kreisels käme das Land teuer zu stehen. Der Asbest müsste auch dann ordnungsgemäß abgebaut werden. Hinzu kämen in diesem Fall die Kosten, um das Skelett aus Stahlträgern abzutragen: sechs bis neun Millionen Euro. Außerdem verlangt der „Miteigentümer“ Becker & Kries eine Entschädigung während der Bauzeit, weil er mit Mietminderungen rechnet. Auf zehn Millionen Euro hatte man sich mit dem früheren Finanzsenator Thilo Sarrazin schon einmal geeinigt. Das war im Jahr 2006. Doch dem Senat waren die Gesamtkosten in Höhe von fast 50 Millionen Euro zu hoch.

Deshalb könnte ein Verkauf des sanierten Altbaus, so das Kalkül des neuen Finanzsenators, die billigste Lösung für das Land sein. Denn jeder Euro, den der Verkauf des Turmes einbringt, würde die Verluste aus der Sanierung schmälern. Von einem „negativen Kaufpreis“, also einer Millionenbelastung für die Landeskassen, geht Sundermann dennoch aus.

Für eine echte Entlastung des Landeshaushaltes sorgen dagegen die anderen Geschäfte des Liegenschaftsfonds: 135 Millionen Euro überweist der Fonds. Das sind Einnahmen aus dem Verkauf von 676 landeseigenen Immobilien, darunter das Robert-Koch-Institut an der Dorotheenstraße, Wohn- und Geschäftshäuser sowie Grundstücke wie etwa am Humboldthafen. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Umsatz allerdings um 34 Prozent zurück.

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