Liegenschaftspolitik : Lichtenberger wollen verlassene Polizeiwache übernehmen

06.10.2012 00:00 Uhrvon und

Eine Lichtenberger Initiative fühlt sich durch das neue „Kater Holzig“-Projekt "Holzmarkt" ermutigt – und könnte zum Präzedenzfall für neue Liegenschaftspolitik werden. Auf dem Gelände einer alten Polizeiwache planen sie Wohnungen, Ateliers, Gärten, Café.

Der Senat will sich genau anschauen, was ihm wichtiger ist: das Geld oder das Konzept.

Er habe Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) und Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) gebeten, „dem nackten Bieterverfahren ein Konzept entgegenzusetzen“. Im Steuerungssausschuss am 17. Oktober will Prüfer für die Initiative werben. Es gebe allerdings noch andere „Interessenten mit ähnlichen Ideen, die aber noch nicht so ausgereift sind“ sowie Bieter aus dem Wohnungsbau. Aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es, man müsse sich genau anschauen, ob man auf Maximaleinnahmen zugunsten eines Projekts verzichten wolle.

Beim Verkauf des Holzmarkt-Grundstücks in Friedrichshain sind nach Tagesspiegel-Informationen mehr als zehn Millionen Euro für die beiden insgesamt rund 18 000 Quadratmeter großen Grundstücke geboten worden. Die konkurrierenden Gebote sollen nur gering voneinander abgewichen haben.

Der unterlegene Bieter, Abris Lelbach von der Berliner Elpro GmbH, will das Verfahren nicht anfechten, zweifelt aber an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Konzeptes der Holzmarkt-Genossenschaft. Lelbach erklärte, er habe sich nur für das südliche Grundstück beworben. Dort gebe es erhebliche Altlasten durch den Betrieb eines ehemaligen Gaswerks. Auch nach der laufenden Sanierung bleibe das Grundstück nur beschränkt nutzbar, deshalb habe er sein Kaufangebot im Verfahren „korrigiert“.

Dadurch kam die alternative Genossenschaft „Holzmarkt“ zum Zuge, darunter auch die Macher des Clubs Kater Holzig. Sie wollen einen alternativen Kiez mit Club, Hotel, Gewerbe, Kita und Park aufbauen. Zudem plant die Initiative „Eckwerk“ ein Technologiezentrum und studentisches Wohnen. Rund 50 Millionen Euro sollen investiert werden. „Auf 30 000 Quadratmeter Fläche werden sich Startups und Technologieunternehmen ansiedeln und gleichzeitig etwa 400 Wohneinheiten entstehen“, sagt Eckwerk-Sprecher Andreas Steinhauser, Gründer des Startups „txtr“ und des Kartendienstes „Gate5“, der von Nokia übernommen wurde.

Käufer des Holzmarkts-Areals ist eine Schweizer Pensionskasse, die anthroposophisch ausgerichtet ist und 2010 schon das Studentendorf Schlachtensee übernommen hat, um es per Erbpacht an die Betreibergenossenschaft weiterzureichen. Auch am Bau eines Studentendorfes in Adlershof hat sich die Pensionskasse beteiligt.

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