Life Science Center : Pankow spielt nicht mit

In Buch soll ein Mitmachmuseum entstehen. Doch der Bezirk fürchtet ein finanzielles Risiko.

Werner Kurzlechner

Die Leute vom geplanten Mitmachmuseum in Buch sind weiter zum Nichtstun verdammt. Denn das Bezirksamt Pankow hat immer noch keine Fördermittel für das Life Science Center beantragt – ein Mitmachmuseum, das Kinder, Jugendliche und Eltern scharenweise ins leer stehende Waldhaus an der Zepernicker Straße locken soll. Die potenziellen Investoren sind die Verzögerungen allmählich leid. „Der Bezirk muss sich endlich bekennen“, sagt Andreas Eckert, Vorstandsvorsitzender des Medizintechnikherstellers Eckert & Ziegler. Acht Jahre sind mittlerweile seit einer ersten Konzeptstudie vergangen.

Life Science Center – für das Projekt würde sich Eckert einen anderen Namen wünschen. „Forscherschloss Berlin wäre mir lieber als dieser unverständliche Anglizismus“, sagt der Unternehmer. Schließlich mache gerade das wie eine Schlossruine anmutende ehemalige Lungensanatorium als geplanter Standort den Reiz der Idee aus. Mit nach Buch ziehen sollen auch das „Gläserne Labor“ und der „Forschergarten“. Beide Projekte richten sich an Vorschüler und Schulklassen. „Da pressen die Kinder zum Beispiel Rotkohl aus, träufeln Zitronensaft drauf und sehen, wie sich die rote Flüssigkeit hell färbt – ein echter Lackmustest“, sagt Eckert. Rund 16 000 Kinder jährlich experimentieren derzeit im Gläsernen Labor und im Forschergarten. Im Life Science Center sollen noch Ausstellungen für Jugendliche und Erwachsene hinzukommen. Eckert stellt sich vor, dass Buch ein festes Ziel für Studienfahrten von Biologieleistungskursen aus ganz Deutschland werden könnte. Ein lebenswissenschaftliches Museum dieser Art gebe es in der Bundesrepublik nicht.

Der Liegenschaftsfonds hält das Waldhaus seit langem für das Projekt reserviert. Firmen, Akademien und Stiftungen haben zugesagt, sich mit insgesamt 6,5 Millionen Euro zu beteiligen. Zwei Millionen will Eckert & Ziegler beisteuern. „Ich halte alle Zusagen der Wirtschaftskrise zum Trotz für belastbar“, sagt Andreas Eckert. Falls doch ein Investor abspringe, sei in Buch leicht Ersatz zu finden. Der Knackpunkt sind indes die 20 Millionen Euro, die aus einem EU-Fördertopf kommen sollen. Diese Mittel kann nur Pankow beantragen.

Deshalb gibt es jetzt neuerlichen Zoff. Bereits am 10. Dezember hatte die Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV) das Bezirksamt aufgefordert, die EU-Fördermittel zu beantragen. In der Sitzung am Mittwoch bekannte Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD), bislang nicht unterschrieben zu haben, weil eventuelle Folgekosten nicht gesichert seien. Er werde in der kommenden Woche allerdings eine an Bedingungen geknüpfte Fassung unterzeichnen, kündigte Köhne an. Der Bezirk wartet weiter auf eine Zusage des Landes, das finanzielle Risiko für das Projekt zu übernehmen. Für die Bedenken des Bezirks hat Eckert kein Verständnis: „Die Chancen für Buch sind deutlich größer als das minimale Risiko für den Bezirk.“ Werner Kurzlechner

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