Berlin : Linden wachsen und geben nach

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George L. Brenninkmeijer (49) ist ehemaliger geschäftsführender Gesellschafter von C&A Deutschland und leitet seit 2000 die Brenninkmeijer Holding in Berlin. Er hat sich für eine Linde auf der Straße des 17. Juni entschieden.

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Eigentlich bin ich ganz schlecht in Botanik. Ich kann mich zwar daran erinnern, als Siebenjähriger in Bäumen herumgeklettert zu sein. Das war in Schottland. Aber was das für ein Baum war? Ich kann es nicht sagen. Über Bäume hat vor allem meine Frau mir viel beigebracht. Ich habe mich für eine Linde entschieden, weil sie der häufigste Straßenbaum ist, und weil ich einen Baum auf der Straße des 17. Juni haben wollte. Ich finde, Linden sind charakteristisch für Berlin. Diese hier trägt wie alle Berliner Bäume eine Nummer, die Zwei. Ich finde, das gibt ihnen eine Identität. Den Menschen in Berlin wünsche ich mit dieser Aktion ein Leben frei von Existenzängsten und Sorgen, die einen manchmal lähmen können. Dabei ist ein Blick auf die Bäume sehr lehrreich.

Für mich stehen Bäume für Wachstum. Am Anfang sind sie empfindlich, und dann stehen sie auf eigenen Beinen, nein, man muss sagen: auf eigenem Stamm. Diesen Vergleich benutze ich auch gerne bei Unternehmen. Ich bin in Berlin Kuratoriumsvorsitzender der Business Angels, finanziere Konzepte für neue Geschäftsideen. Diese entstehenden Unternehmen sind wie kleine Pflanzen, müssen bewässert und beschützt werden.

Ein anderer schöner Vergleich: Bäume geben dem Wind nach. Das sollten sich die Menschen ab und zu auch zu Herzen nehmen, flexibel bleiben, sich anpassen und das Beste aus einer Situation machen. Für mich ist der Baum auch ein mutiges Wesen. Er sagt einfach: Ich bleibe hier stehen, wo ich bin. Und dann muss er jahraus, jahrein an der derselben Stelle Blüten und Blätter treiben und wachsen, kann keine Auszeit nehmen. Daher finde ich es tragisch, wenn ein Baum mit einer Kettensäge traktiert wird. In Berlin werden die Bäume meist im Winter gefällt, wenn die Bäume ihren „Winterschlaf“ halten. Das ist ihnen gegenüber ehrlich.

Aufgezeichnet von Constance Frey

Zwischen Herbst 2004 und Frühjahr 2006 sollen rund 350 Bäume an verschiedenen Standorten in Berlin gepflanzt werden. Für die Kampagne sucht die Bürgerstiftung Spender, die zur Pflanzung der Bäume und Erhöhung des Stiftungskapitals beitragen. Wer für Berliner Pflanzen spenden möchte, kann auf eines der folgenden Konten überweisen: Deutsche Bank, BLZ 100 700 00, Konto 239 34 37, Dresdner Bank, BLZ 100 800 00, Konto 100 000 7. Weitere Informationen zu Kampagne und Stiftung gibt es unter 83228113 oder www.buergerstiftung-berlin.de.

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