Berlin : Linke rüsten zum 1. Mai

Gleich zwei Tage hintereinander will ein Bündnis aus linken Gruppen gegen den geplanten Naziaufmarsch am 1. Mai protestieren. Nicht nur für den Tag des Aufmarsches, sondern schon für den Vorabend macht das Bündnis mobil. Unter dem Motto „Nazikneipen dichtmachen!“ wollen die Nazigegner am 30. April um 17 Uhr vom Bahnhof Schöneweide zu der rechten Szenekneipe „Zum Henker“ laufen. Sie gehen davon aus, dass es dort ein großes Nazitreffen und möglicherweise auch ein Rechtsrockkonzert geben wird. Für die Polizei wird es in der Dunkelheit besonders schwierig, linke Aktivisten und anreisende Neonazis voneinander zu trennen.

Für die gewalttätige Gruppe der „Autonomen Nationalisten“ wird Berlin am 1. Mai vermutlich der zentrale Aufmarschort sein. Seit Monaten werben Berliner Neonazis überregional für ihre Veranstaltung. Wo genau die Nazis laufen werden, halten die Behörden bisher streng geheim. Anmelder Sebastian Schmidtke sagte lediglich, dass die Rechten in einem Ostbezirk aufmarschieren wollen. Aus „taktischen Gründen“ habe man gleich drei Veranstaltungen angemeldet. Klar ist aber, dass es am Ende nur einen gemeinsamen Aufmarsch geben wird.

Wie der Tagesspiegel am Donnerstag aus der linken Szene erfuhr, wurde die Route für die revolutionäre 1.-Mai-Demo jetzt offiziell angemeldet. Damit steht fest, dass die Autonomen in diesem Jahr durch Neukölln ziehen werden. Die Demonstration soll um 18 Uhr am Kottbusser Tor starten und verläuft dann über Skalitzer, Wiener und Ohlauer Straße Richtung Hermannplatz. Anschließend geht es über Sonnenallee und Friedelstraße zum Lausitzer Platz in Kreuzberg. Genehmigt ist die von einer Privatperson angemeldete Route noch nicht.

Überraschend ist, dass die Veranstalter die Demonstration nicht durch das Myfest führen wollen. In den letzten Jahren hatte es regelmäßig heftige Streitigkeiten gegeben, weil die Linksradikalen darauf bestanden, das Stadtfest zu kreuzen. „Uns geht es um eine politische Demonstration und nicht um Party, Bratwurst und Saufen“, begründete Johannes Weber, Sprecher der Antifaschistischen Linken Berlin, diesen Schritt. Neukölln als Hauptteil der Route sei bewusst ausgewählt worden, „weil hier die sozialen Widersprüche immer deutlicher werden“. Der Aufzug richte sich vor allem gegen soziale Verdrängung aus den Innenstadtbereichen als Folge des Kapitalismus. jra

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