Berlin : Linke Szene fühlt sich gestärkt

Berliner Organisatoren des G-8-Protests erwarten nach Polizeirazzien einen zusätzlichen Mobilisierungsschub

Hannes Heine

Vier Wochen vor dem Gipfeltreffen in Heiligendamm wächst die Schar der Gegner auch in Berlin auf breiter Front. Hinter dem Banner des Protests findet sich zusammen, was sonst kaum zusammenpasst. Christliche Gruppen, Studenten, junge Gewerkschafter und die Grüne Jugend marschieren neben Linksautonomen – begleitet von Popstars wie dem Hiphoper Jan Delay, der zusammen mit Kollegen das Album „Move Against G 8“ rechtzeitig die passende Musikuntermalung zum Widerstand geliefert hat.

An der Vorbereitung der Proteste gegen den G-8-Gipfel sind in Berlin neben dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac vor allem die linksradikale Gruppe „Für eine linke Strömung“ („Fels“) und die „Antifaschistische Linke Berlin“ (ALB) beteiligt. „Fels“ besteht aus knapp 40 Personen, unter ihnen zahlreiche Studenten. Am 1. Mai hatte die Gruppe unter dem Motto „Hol dir dein Leben zurück!“ die sogenannte Mayparade durch Kreuzberg und Neukölln organisiert. Mehrere tausend Menschen demonstrierten dabei vor allem gegen schlechter werdende Arbeitsbedingungen.

Eine eigene 1.-Mai-Demonstration organisierte die ALB am Abend desselben Tages. Die Vereinigung ist eine der größten und einflussreichsten Antifa-Gruppen in Deutschland. Ziel ist es nach eigener Aussage, „eine breite Öffentlichkeit, gerade auch außerhalb der eigenen Szene“ für linke Themen zu gewinnen. Aktivisten der ALB treten häufig als Anmelder von Demonstrationen in Erscheinung. Die ALB arbeitet in diversen Bündnissen mit, sie ist auch Teil des Berliner Sozialforums.

Nach den Durchsuchungen des Bundeskriminalamtes am Mittwoch gehen Aktivisten davon aus, dass die eher zersplitterte linke Szene der Stadt nun zusammenrückt, hieß es gestern. Gab es am 1. Mai noch drei verschiedene linke Demonstrationen durch Kreuzberg, gingen am Mittwochabend zahlreiche Initiativen gemeinsam auf die Straße. Die Nachricht von der groß angelegten Polizeiaktion hatte sich herumgesprochen, überall in Kreuzberg hingen Plakate mit dem Aufruf zur Demonstration, an der dann mehr als 3000 Menschen teilnahmen. Die Organisatoren erwarten nun, dass auch zu den G-8-Demonstrationen mehr Menschen mobilisiert werden.

„Jetzt werden sicher alle nach Heiligendamm reisen“, hieß es von einem Vertreter der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) in Neukölln. Dass die Bundesanwaltschaft nach etlichen Brandanschlägen mit Bezug auf den G-8-Gipfel wegen des Verdachts auf Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittle, sei ein vorgeschobener Grund für die Aktion, sagen die Betroffenen. „Der demokratische Protest gegen den G-8-Gipfel soll insgesamt diskreditiert werden“, befand Attac-Chef Peter Wahl.

„Es geht um Einschüchterung legaler Strukturen“, sagte Christoph Kliesing, Rechtsanwalt eines Beschuldigten aus Berlin. Doch die Organisatoren zeigten sich am Donnerstag unbeeindruckt. „Eine Durchleuchtung linker Zusammenhänge wird eine Massenblockade des Gipfels nicht verhindern“, sagte ALB-Sprecher Tim Laumeyer.

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