Linke Szene : Vor dem 1. Mai ist es ruhig

In gut zwei Wochen ist der 1. Mai - und in Kreuzberg ist es ruhig wie nie. Die Polizei registriert kaum politische Gewalt.

Aufmerksam hat die Polizei registriert, dass es am vergangenen Wochenende keinerlei größere Aktionen der linken Szene gab – angekündigt waren bundesweit so genannte „Freiraumtage“. Deshalb gab es zuvor die Befürchtung, dass sich Randalierer warmlaufen könnten – doch nichts passierte. An politisch motivierter Gewalt registrierte die Polizei am Wochenende nur ein angezündetes Auto – es gehörte Siemens – und eine Schlägerei vor dem linken Wohnprojekt „Rigaer 94“ in Friedrichshain. Dort hatten sich gegen vier Uhr früh erst die Linken untereinander gestritten. Als die Beamten die Personalien von zwei Männern aufnehmen wollten, trat einer um sich und verletzte einen Polizisten leicht.

Im vergangenen Jahr hatten vor dem 1. Mai genau dort – auf der Kreuzung Rigaer- und Liebigstraße – Barrikaden gebrannt. Gerade im April und im Mai – vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm – hatten Linksextremisten Dutzende Autos angezündet. Diese Größenordnung gibt es in diesem Jahr nicht. Nur eine Handvoll Autos wurde in den ersten dreieinhalb Monaten dieses Jahres „abgefackelt“, wie es in der Szene heißt.

In diesem Jahr fehlen der autonomen Szene fast alle Reibungspunkte: Es gibt keinen Weltwirtschaftsgipfel, es gibt kein „Jubiläum“ (2007 hatte die Szene 20 Jahre Mai-Krawalle gefeiert) und vor allem: Die „Köpi“ ist befriedet. Wie berichtet, hat das linke Wohn- und Kulturzentrum in der Köpenicker Straße langjährige Mietverträge erhalten. Wie berichtet, konzentrieren sich Teile der Berliner Szene in diesem Jahr auf Hamburg, weil dort Neonazis eine große Demo angemeldet haben. In der vergangenen Woche hatte die „Anti-Nato-Gruppe“ das traditionelle Konzert zur Walpurgisnacht am Boxhagener Platz mit Verweis auf Hamburg abgesagt. In den vergangenen Jahren war Randale in der Walpurgisnacht oft die Einstimmung für den 1. Mai. Sorgen macht sich die Polizei derzeit vor allem darüber, dass dieser 1. Mai gleichzeitig Vatertag ist – und deshalb stadtweit gleichzeitig Schlägereien von Betrunkenen geschlichtet werden müssen. Ha

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