Linkes Wohnprojekt : Mietverträge für die Hausbesetzer der „Köpi“

Der Eigentümer verzichtet überraschend auf Räumung. Die linksalternative Szene darf das Gebäude für die nächsten 29 Jahre nutzen.

Hannes Heine

Europas bekanntestes Hausbesetzerzentrum wird nicht geräumt. Seit das Gebäude in der Köpenicker Straße 137 in Mitte 1990 besetzt worden ist, hatte es immer wieder Auseinandersetzungen mit Gerichten und der Polizei gegeben. „Doch nun liegen unbefristete Mietverträge für die Wohnungen vor“, sagte Rechtsanwalt Moritz Heusinger, der die Bewohner vertritt, dem Tagesspiegel. „Außerdem wurden den Bewohnern Erdgeschoss und der Keller vermietet – für die kommenden 29 Jahre.“

Bis vor kurzem hatte man sich unter Hausbesetzern noch auf einen heißen Sommer eingestellt, denn bis zum 31. Mai sollte die „Köpi“ nach Willen des Besitzers leer sein – was eine gewaltsame Räumung bedeutet hätte. Auch die Behörden hatten sich auf Demonstrationen und Krawalle vorbereitet, schließlich wird das Haus seit 18 Jahren als Wohn- und Kulturprojekt genutzt und genießt in der Szene Kultstatus. Ein Teil der Bewohner hatte zwar schon seit 1993 Mietverträge mit der damaligen Verwaltung. Diese wurden jedoch nach dem Kauf des Hauses durch den neuen Eigentümer im Mai 2007 gekündigt. In einem Gutachten wurde davon ausgegangen, dass eine „komplette Neubebauung denkbar“ sei.

Doch der neue Eigentümer hatte offenbar das Mobilisierungspotenzial der „Köpi“-Bewohner unterschätzt. Im vergangenen Jahr demonstrierten tausende Linke gegen eine Räumung des Hauses, Brandanschläge auf Autos und Banken folgten, der Eigentümer und seine Geschäftspartner wurden von Unbekannten bedroht. Im Juni 2007 machte dann auch noch die Polizei dem Besitzer das Leben schwer: Sie durchsuchte Räume des Firmengeflechts, das mit dem Kauf des Geländes in der Köpenicker Straße zu tun hatte. Der Tatvorwurf lautet Betrug. Die Verdächtigen sollen in den vergangenen Jahren kleinere Subunternehmer um ihr Geld betrogen haben. Einer der Hauptbeschuldigten war ein 43-jähriger Immobilienhändler, der nach eigenen Angaben früher Besitzer der Firma „Plutonium 114“ war. Diese Gesellschaft hatte er kurz zuvor an den neuen Eigentümer der Köpenicker Straße 137 verkauft. Dieser war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

„Für die Immobilienspekulanten hat sich der Aufwand offenbar nicht gelohnt“, sagte ein Bewohner der „Köpi“ gestern. Es habe sich gezeigt, dass massiver öffentlicher Druck etwas bewirken könne. Manche aber scheinen den Mietverträgen dennoch nicht zu trauen. „Bitte haltet euch auf dem Laufenden und erscheint trotz dieses Zwischenerfolges zu den Aktionstagen Ende Mai“, heißt es aus der „Köpi“.

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