Berlin : Linksextreme streiten über Anschläge

Verfassungsschutz: Das war ein „Eigentor“

Der Berliner Verfassungsschutz geht davon aus, dass hinter den Anschlägen eine in der Szene isolierte Tätergruppe steckt. „Derartige Angriffe auf Infrastruktur, mit dem Ziel, maximalen Schaden zu verursachen, sind auch für die gewaltbereite Szene in Berlin eine Besonderheit“, sagte Verfassungsschutzchefin Claudia Schmid dem Tagesspiegel. Sie bezeichnete die Sabotageaktion als „Eigentor“ für die Täter. „Für Anschläge in dieser Dimension gibt es kaum Rückhalt, weil damit die ganz normale Bevölkerung getroffen wird.“ Bereits der Anschlag am Ostkreuz im Mai dieses Jahres, sei in der Szene äußerst umstritten gewesen, weil er von vielen als kontraproduktiv für die eigenen politischen Ziele gesehen wurde. Trotzdem seien weitere Aktionen nicht auszuschließen. Ob es sich damals um dieselben Täter gehandelt hat, die jetzt die Brandsätze am Hauptbahnhof platziert haben, müsse das Landeskriminalamt ermitteln.

Auf der linken Internetplattform „Indymedia“, auf der das achtseitige Selbstbezichtigungsschreiben zu den Anschlägen am Montag gegen 8 Uhr veröffentlicht wurde, läuft inzwischen eine hitzige Diskussion. Da die Seite auch in zahlreichen Blogs direkt verlinkt und Screenshots in der Presse gezeigt wurden, posten inzwischen nicht nur Mitglieder der linken Szene, sondern auch normale Fahrgäste und interessierte User ihre Kommentare. „Was für eine schwachsinnige Form des ‚Protests’“, kommentiert ein Nutzer. „Aktionen wie diese schaden der gesamten Linken, vor allem dem vernunftbegabten Teil“, kritisiert ein anderer. „Durch diese Aktion haben Sie mir den ganzen Tag versaut“, schreibt ein wütender Berufspendler. Er habe durch den verpassten Termin mit seinem Kunden knapp 1000 Euro Verlust gemacht. „Den Durchschnittsbürger an dem Weg zur Arbeit hindern bringt genau was?“, fragt ein Nutzer. „Wie ihr mit solchen Aktionen die breite Masse für eure durchaus hehren Ziele gewinnen wollt, ist mir schleierhaft.“

Aber auch Zustimmung erhalten die Brandstifter in der Kommentarspalte. „Gut so! Weiter so!“, „schöne Aktion“ und „grandios!“ ist dort zu lesen. „Endlich mal jemand, der etwas anderes macht, als nur zu Jammern“ oder „Wenn ihr alle immer noch denkt, friedliche Demos verändern die Welt, macht mal die Augen auf.“ Wieder andere verlieren sich in obskuren Verschwörungstheorien, nach denen das Bundeskriminalamt selbst die Anschläge inszeniert habe, um die Medien von dem Skandal um den Bundestrojaner abzulenken. „Polizei darf's mit Steuergeldern wegräumen, ahnt nichts, alle haben ihre Nachrichten, jeder denkt, in Berlin, linke Szene, echte Gefahr.“ Tsp

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