Linksextremismus : Autonome kündigen "heißen Winter" an

Nach der Räumung eines linken Wohnprojekts in der Brunnenstraße am Dienstag regt sich Protest in der Unterstützerszene. Heute und morgen soll demonstriert werden.

Henning Onken
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Screenshot: Demoaufruf

Einen Tag nach der Räumung des linken Wohnprojekts in der Brunnenstraße 183 wächst in der linken Szene der Ärger über die Polizeiaktion am Dienstagnachmittag. Für heute Abend rufen Unterstützerkreise zu einer Demonstration mit Treffpunkt am Kollwitzplatz auf, am Donnerstag soll in Kreuzberg protestiert werden. "Der Winter wird heiß", kündigten Autonome in einem Aufruf im Internet an. Jede Räumung werde entsprechend beantwortet. Auch ein Wohnprojekt in der Friedrichshainer Liebigstraße ist nach dem Verlust der Mietverträge vor zehn Tagen vor dem Landgericht räumungsbedroht.

Am Dienstagabend zogen gegen 18 Uhr etwa 40 Personen spontan durch die Oranienburger Straße zur Weinmeisterstraße, wo sich die Demonstration laut Polizeiangaben ohne Zwischenfälle auflöste. Weitere 50 Sympathisanten versammelten sich gegen 19 Uhr auf dem Alexanderplatz und bemühten sich vergeblich um Einlass im Roten Rathaus, teilte die Polizei weiter mit. Etwa 40 Sympathisanten der "Brunnen 183" hielten eine Kundgebung in Potsdam ab. Eine Solidaritätskundgebung gab es auch im Hamburger Schanzenviertel.

Bei mehreren Aktionen von Unbekannten in der Nacht wird über einen Zusammenhang mit der Räumung spekuliert. Auf dem Gelände des Verkehrsdienstes in der Lichtenberger Hauptstraße brannte ein Polizeifahrzeug. In der Neuköllner Rollbergstraße wurden Farbbeutel gegen eine Polizeiwache geworfen. In der Nähe einer Baustelle am Volkspark Friedrichshain lagen Holzpaletten auf der Fahrbahn, eine "Dixi"-Toilette brannte.

Bewohner: Räumung war rechtswidrig

Noch am Abend der Räumung hatten Handwerker das Haus unbewohnbar gemacht. Fensterrahmen wurden herausgenommen und Zugänge durch eine Sicherheitsfirma versperrt. Die Polizei zählte bei der Räumung 22 Personen ohne gültigen Mietvertrag im Haus, von denen drei auf das Dach geflohen seien.

In einer Pressemitteilung der Hausbewohner wird die Räumung als rechtswidrig dargestellt. Die Polizei habe nicht das Recht gehabt, das ganz Haus zu räumen, da nur fünf Wohnungen durch Klagen verloren gingen.


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