Linksradikale Aktionstage : Polizei ist für heißes Wochenende gerüstet

Auch in der dritten Nacht in Folge kennzeichnen brennende Autos, Steinwürfe und Sachbeschädigungen die linksradikalen „Freiraumtage“. Auslöser ist die Räumung eines besetzten Hauses, die linke Szene wehrt sich gegen "Luxussanierungen" in Friedrichshain - mit Gewalt.

Jörn Hasselmann

Sie kämpfen für „Freiräume“ – und machen Krawall. Die linke Szene hat bei ihren so genannten Aktionstagen auch in der Nacht zu Freitag stadtweit randaliert. Vier Autos wurden angezündet, in mehreren Bezirken wurden Firmen mit Steinen und Farbbeuteln angegriffen. In den letzten Tagen sind damit mehrere Dutzend Autos angezündet worden, der Schaden geht in die Millionen. Ausgelöst wurde die Gewalt am Dienstag durch die Räumung eines kurz zuvor besetzten Hauses.

In der Nacht zu Freitag waren es teilweise gezielte Attacken in Außenbezirken. So wurde bei einer Hausverwaltung in Mariendorf das Türschloss zerstört und die Parole „Finger weg von der Rigaer 94“ an die Fassade geschmiert. Die linke Szene wirft der Firma vor, in Friedrichshain mehrere ehemals besetzte Häuser „luxuszusanieren“. Ein Foto des Geschäftsführer ist auf einer linksautonomen Internetseite veröffentlicht worden. Die Erhaltung so genannter alternativer Wohnprojekte steht im Mittelpunkt der so genannten Freiräume-Tage. Beendet werden sie offiziell am Sonntag mit einer Demonstration in Prenzlauer Berg. Diese startet ausgerechnet am Mauerpark – wo heute in unmittelbarer Nähe mit prominenten Gästen ein Informationspavillon für den „Marthashof“ eröffnet wird. Dahinter verbirgt sich eine Luxus-Wohnanlage in der Schwedter Straße. Die Organisatoren der Sonntagsdemo nannten gestern explizit „Marthashof“ als Symbol für die verhasste Umgestaltung des Bezirkes. Da im Internet bereits geworben wird, den Pavillon anzuzünden, wird er in den kommenden Tagen intensiv von der Polizei bewacht. Ein ebenfalls am Sonntag geplantes Konzert im Mauerpark ist vom Bezirk verboten worden.

Wie es im Polizeipräsidium hieß, gilt seit einigen Tagen ein spezielles Einsatzkonzept für die Randale-Tage. Wieviele Beamte im Einsatz sind, wollte die Polizei nicht sagen. Hauptziel sei, durch intensive „Aufklärung“ Zusammenrottungen schnell zu erkennen und Straftäter auf frischer Tat festzunehmen.

Durch diese verstärkte Präsenz konnten mittlerweile drei junge Leute beim Anzünden von Autos festgenommen werden. Nachdem am Dienstagabend zwei Frauen erwischt wurden, konnte in der Nacht zu Freitag ein 21-Jähriger in der Kreuzberger Möckernstraße festgenommen werden, als er gerade einen Mercedes in Brand setzen wollte. Zur Verärgerung der Polizei beantragte die Justiz keinen Haftbefehl. Begründung: Das Auto habe ja noch nicht gebrannt. Der einschlägig wegen politischer Taten bekannte 21-Jährige war von Zivilpolizisten beobachtet worden, wie er einen Grillanzünder unter den Reifen deponiert hatte. Dies ist seit einiger Zeit eine in der linksextremen Szene beliebte Methode.

Härte zeigte die Justiz dagegen bei 13 jungen Randalierern, die am Donnerstagabend in mehreren Restaurants in der Friedrich- und Mohrenstraße Tische umgeworfen sowie Feuerwerkskörper auf Passanten geworfen hatten. Sie mussten den ganzen Freitag in einer Zelle verbringen – ein Richter hatte sie zur „Gefahrenabwehr“ für 24 Stunden festgesetzt.

Politiker verurteilten die Brandstiftungen gestern. Die CDU kritisierte, dass Innensenator Ehrhart Körting (SPD) den „nächtlichen Brandterror über ein Jahr lang kleingeredet habe“. Der grüne Abgeordnete Benedikt Lux sprach den Randalieren jegliche Legitimation ab. Sie schadeten vielmehr „linken Anliegen“.

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