Berlin : Literatursalon im eigenen Wohnzimmer

Anna Thalbach, Wolf Wondratschek, Ulrich Matthes oder Moritz Rinke mal im eigenen Wohnzimmer haben, das wär’s doch. Schauspieler und Schriftsteller so ganz privat bei sich, aus dem Lieblingsbuch oder gar eigenen Werken vorlesend. Dazu ein paar Gäste begrüßen und ihnen ein Glas Wein und Häppchen anbieten. Und hinterher plaudern. Über Dichtung, Gott, Berlin und die Welt. Ein hübscher Abend, zweifellos. Und nun auch erstmals hier in der Stadt zu erleben: beim Festival „Literatur in den Häusern der Stadt“.

Zwölf private Gastgeber laden bis Sonntag an lauschige Orte: in eine Fabrikloft in Prenzlauer Berg oder auf die Dachterrasse in Kreuzberg, in eine Charlottenburger Anwaltskanzlei oder den romantischen Innenhof eines Bestattungsinstituts in Spandau. Auch der Garten einer Villa in Potsdam und die Terrasse des gerade wieder eröffneten Teehauses im Englischen Garten in Tiergarten sind dabei.

Die Idee, Kunst zu fördern, indem man sein Heim öffnet und daraus eine temporäre Bühne macht, ist 15 Jahre alt, sagt Festivalleiterin Claudia Bousset vom Verein Kunstsalon Köln. Der organisiert seit 1997 das Festival „Musik in den Häusern der Stadt“, das auch in diesem November wieder in Berlin stattfindet. Nun ist auch der in Köln seit zehn Jahren existierende Literatur-Ableger hier angekommen. Hier genau wie dort von der Gastgebergemeinschaft finanziert. Und weil das so nach noblem großbürgerlichem Mäzenatentum klingt, betont Bousset, dass jeder Gastgeber sein kann. Wichtig sei, dass man Lust habe, zusammen mit dem Kunstsalon und den Künstlern den Abend und sein Thema zu gestalten. „Familie“ ist das diesmal.

Ein paar Abende waren schnell ausverkauft. Wer dieses Mal keine Karten bekommt oder selber gerne Gastgeber werden möchte, bekommt nächstes Jahr seine Chance. Da läuft das Festival vom 13. bis 17. Juni. Thema: Sehnsuchtsorte. Die können ja auch zu Hause sein. gba

Programm, Kontakt, Tickets (18 Euro, erm. 11) unter: www.kunstsalon.de

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